Zum Hauptinhalt springen

Für die ToDo Liste

Mit dem Heißluftballon über Siem Reap

Die üblichen Wege? Die dürfen andere gehen. Wenn schon keine Drohne erlaubt ist, dann eben stilvoll nach oben – im Ballon über Siem Reap. Lautlos schwebend wirkt die Welt plötzlich erstaunlich geordnet, fast zu schön, um echt zu sein. Und weil das noch nicht reicht, folgt der Perspektivwechsel aufs Wasser: der Tonle Sap zeigt sich weit, ruhig und ein bisschen ehrfürchtig. Manchmal braucht es einfach einen neuen Blickwinkel – oder zwei.

Reiseblog24 | Mit dem Heißluftballon über Siem Reap

Tipps und Tricks

Für die ToDo Liste
Siem Reap: Perspektiven, die man sich erarbeiten muss

Die klassischen Wege rund um Siem Reap? Die dürfen andere ablaufen, geschniegelt zwischen Tempelplan und Selfiestick. Wenn schon keine Drohne erlaubt ist, dann eben mit Stil nach oben: im Ballon. Lautlos hebt man ab, und plötzlich liegt alles da unten wie ein perfekt arrangiertes Modell – fast verdächtig ordentlich für eine Welt, die sonst so gern improvisiert. Angkor Wat wirkt aus der Höhe weniger monumental, dafür ehrlicher. Kein Gedränge, kein Stimmengewirr. Nur dieser ruhige Moment, in dem man merkt, dass man gerade genau am richtigen Ort ist. Sabine hat sich das mit dem „mal eben in die Luft gehen“ erwartungsgemäß anders vorgestellt. Zwischen Vorfreude und leichtem Zweifel lag genau dieser schmale Grat, auf dem gute Erinnerungen entstehen. Am Ende war es auch für sie weniger eine Mutprobe als stiller Genuss. Und ich gebe zu: Diese Idee aus der Reiseplanung heraus war eine der besseren. Manchmal zahlt sich dieses „Komm, wir probieren das jetzt einfach“ eben aus.

Thema: Für die ToDo Liste
Autor: Michael Lieder
Aktualisiert: 05. Oktober 2026
102 Aufrufe
Beitrag danach:

Für die ToDo Liste

Wenn der Himmel plötzlich greifbar wird

Ein bisschen Recherche, ein paar Klicks, und plötzlich steht da diese absurde Idee im Raum: Ballonfahren über Siem Reap. Kein Instagram-Zirkus, kein „Wir tun so, als wären wir Abenteurer“-Event. Einfach ein lokales Unternehmen, bodenständig, fast schon unspektakulär – bis man merkt, dass man gleich in einem Korb steht und sich vom Boden verabschiedet. Gebucht, hingegangen, gemacht. So unkompliziert fühlt sich Glück selten an.

Am Treffpunkt angekommen, lag er schon da. Ein riesiger gelb-oranger Heißluftballon, breit wie ein Versprechen und genauso schwer zu ignorieren. Die Dorfkinder hatten das natürlich längst verstanden und standen mit dieser Mischung aus Neugier und ehrlichem Staunen drumherum, die man als Erwachsener später gegen Skepsis eingetauscht hat. Ich stand mittendrin und dachte mir: Die haben recht.

Dieses Stoffungetüm, das da noch wie ein müder Wal auf dem Boden lag, begann langsam zu leben. Erst Luft, dann Hitze. Der Brenner fauchte, als hätte er etwas zu beweisen, und mit jedem Stoß richtete sich der Ballon ein Stück mehr auf. Ein Moment zwischen Technik und Magie. Und ja, man merkt ziemlich schnell: Das hier ist nichts für Hobby-Bastler. Da steckt Routine drin, Erfahrung, und eine Gelassenheit, die man sich selbst in solchen Momenten gerne leiht.

Dann die Sicherheitseinweisung. Kurz, klar, ohne Drama. Wo stehen, wie festhalten, wann nicht den Helden spielen? Klingt banal, wird aber plötzlich erstaunlich relevant, wenn man merkt, dass der Boden gleich keine Rolle mehr spielt.

Und dann dieser Moment: rein in die Gondel. Kein großes Tamtam, kein Countdown. Einfach ein Schritt, der sich größer anfühlt, als er ist. Die Sonne stand schon tief, dieses warme, weiche Licht, das alles ein wenig schöner macht, als es eigentlich ist. Oder vielleicht auch einfach ehrlicher.

Und während der Ballon sich langsam vom Boden löst, wird es still. Nicht komplett, aber anders. Leiser im Kopf. Klarer im Blick. Und zwischen den staunenden Kindern unten und diesem weiten Himmel oben merkt man, dass manche Entscheidungen genau richtig sind – auch wenn sie mit einem simplen „Machen wir halt“ begonnen haben.

Abgehoben schwebt man durch die Landschaft

Dass der Ballon nicht über die Tempelanlagen von Angkor Wat fliegen darf, ist erst einmal so ein kleiner Stich ins Reise-Ego. Man kommt schließlich nicht bis nach Siem Reap, um dann… daneben zu starten. Aber gut, Regeln sind Regeln, also hebt man eben ein Stück außerhalb ab – mit der leisen Hoffnung, dass sich das Ganze trotzdem lohnt.

Spoiler: Tut es. Und zwar schneller als gedacht.

Während unten noch ein paar Kinder dem Ballon hinterherrennen, als wäre es das spannendste Ereignis ihres Tages – was es vermutlich auch ist – steigen wir langsam auf. Erst ein paar Meter, dann Baumwipfelhöhe, und plötzlich fühlt sich alles angenehm weit weg an. Unser Pilot wirkt dabei so entspannt, als würde er das Ganze im Halbschlaf machen. Neun Menschen in einer Gondel, die sich stillschweigend darauf einigen, jetzt einfach mal dem Himmel zu vertrauen.

Unter uns entfaltet sich eine Landschaft, die von oben fast zu perfekt wirkt. Dieses satte Grün, durchzogen von Straßen und kleinen Häusern, sieht aus, als hätte jemand mit zu viel Geduld und zu vielen Farbstiften daran gearbeitet. Ein kleiner Tempel taucht zwischen den Bäumen auf, fast schüchtern, als wollte er nicht stören. Und irgendwo daneben steht eine Kuh mit ihrem Kalb, die uns anschaut, als hätten wir gerade ihre komplette Weltordnung durcheinandergebracht.

Die Zeit verliert oben etwas ihre Bedeutung. Die Sonne senkt sich langsam Richtung Horizont und taucht alles in dieses warme, fast kitschige Licht, das man sonst nur auf Postkarten erträgt. Nebelschwaden steigen aus den Wäldern auf und geben dem Ganzen eine fast schon unverschämt mystische Note.

Und genau da passiert es: Man vergisst komplett, dass man eigentlich wegen der Tempel hier ist. Stattdessen hängt man in der Luft und denkt sich, dass diese Perspektive vielleicht sogar die bessere ist.

Ballonfahren hier ist kein lauter Adrenalinkick. Es ist eher dieses leise Staunen, das sich langsam einschleicht. Und genau deshalb bleibt es hängen. Nicht spektakulär im klassischen Sinn – aber verdammt nah dran an dem, was man sich unter einem besonderen Moment vorstellt.

Powered by GetYourGuide

Ballonfahrt in Kambodscha: Gut geplant hebt besser ab

Ich hielt die Idee für großartig: Wir steigen in Kambodscha in einen Ballon und schauen uns die Welt einfach mal von oben an. Was sollte schon schiefgehen? Rückblickend würde ich sagen: An diesem Punkt hätte ich vielleicht auch meine Mitreisenden fragen sollen, ob sie meine Begeisterung für freiwilligen Bodenverlust tatsächlich teilen. Denn während ich mich auf die Fahrt freute, konnte ich in einigen Gesichtern ziemlich deutlich lesen: „Welcher Idiot hatte eigentlich diese Idee?“ Nun ja. Ich.

Genau deshalb mein erster Tipp: Wenn du eine Ballonfahrt planst, plane sie vernünftig und achte darauf, wen du mit in den Korb schleppst. Eine solche Tour ist ab rund 150 € pro Person nicht gerade ein spontaner Kaffee zwischendurch. Und nicht jeder empfindet es als großes Vergnügen, wenn der sichere Boden plötzlich immer kleiner wird. Höhenangst lässt sich schließlich nur schwer mit dem Hinweis bekämpfen, dass die Aussicht wirklich fantastisch sei.

Hast du dagegen die richtigen Leute dabei, kann ich nur sagen: Mach es! Lautlos über die Landschaft zu schweben, während unter dir langsam die Welt erwacht, ist ein Erlebnis, das sich ziemlich hartnäckig im Gedächtnis festsetzt.

Beim Buchen solltest du allerdings genau hinschauen. Gerade in Kambodscha werden viele deutlich günstigere Fahrten angeboten, die sich bei näherem Hinsehen als Fesselballons entpuppen. Der Ballon steigt zwar auf, bleibt aber über starke Seile an einem festen Punkt verankert. Im Grunde ein spektakulärer Aufzug mit Aussicht. Sicher nett, aber mit einer echten Ballonfahrt kaum vergleichbar. Marketing kann eben selbst aus „hoch und wieder runter“ ein Abenteuer machen.

Mein zweiter wichtiger Tipp: Buche bereits vor deiner Reise. Die Plätze für echte Ballonfahrten sind begrenzt und beliebte Termine schnell weg. Auch allein ist das kein Problem, die Gruppen werden vor Ort zusammengestellt. So steigen Fremde gemeinsam in einen Korb, verlieren zusammen den Boden unter den Füßen und landen später meist mit einem ziemlich breiten Grinsen wieder irgendwo in Kambodscha.

Meine Empfehlungen (*), hier habe ich gute bis sehr gute Erfahrungen gemacht....