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Schwarzwald

Von Tübingen in Richtung Straßburg

Es ist Sommer. Und zwar so richtig. Die Temperaturen klettern weit über die 30-Grad-Marke, und irgendwann stellt sich die berechtigte Frage, ob eine Motorradtour bei 36 Grad noch Freizeitvergnügen oder bereits eine etwas eigenwillige Form der Selbstbestrafung ist. Ganz so schlimm ist es natürlich nicht. Wer früh genug losfährt oder sich am Abend Zeit lassen kann, bekommt auch an solchen Tagen noch ein paar ziemlich schöne Stunden auf zwei Rädern hin. Und schließlich gehört ein bisschen Schwitzen zum Sommer dazu. In Motorradklamotten eben etwas mehr.

Reiseblog24 | Von Tübingen in Richtung Straßburg

Sonntagsrunde zwischen Hitze, Kurven und Schwarzwald

Für diesen Sonntag hatte ich mir deshalb keine große Heldentat vorgenommen. Einfach losfahren, ein paar schöne Landschaften mitnehmen, genügend Kurven unter die Räder bekommen und möglichst Straßen finden, auf denen nicht halb Baden-Württemberg dieselbe Idee hatte. Für den Rückweg stand außerdem ein besonders attraktives Ziel auf dem Plan: Schatten. Viel Schatten. Am besten Schwarzwald.

Also rauf aufs Motorrad und von Tübingen aus ganz grob Richtung Straßburg. Kein strenger Zeitplan, kein Pflichtprogramm und keine Liste mit Sehenswürdigkeiten, die unbedingt abgearbeitet werden musste. Einfach eine entspannte Sonntagsrunde durch den Schwarzwald, ein Stück Richtung französische Grenze und später auf möglichst kurvigen und schattigen Wegen wieder zurück.

Manchmal braucht eine gute Motorradtour eben gar kein großes Ziel. Ein voller Tank und ein paar freie Stunden reichen erstaunlich oft aus.

Trans Alps Adventure
Hier beginnt die Tour - Tübingen

Tourverlauf und Zwischenstopps

Meine Empfehlungen (*), hier habe ich gute bis sehr gute Erfahrungen gemacht....


Und ehrlich, genau dafür sitzt man auf dem Motorrad. Nicht für die perfekte Route, nicht für den schnellsten Weg. Sondern für diesen einen Moment, in dem man einfach links abbiegt, obwohl alles in einem sagt: „Du warst hier schon hundertmal.“

Michael Lieder | Reiseblog24
Dinge, die man nicht verpassen sollte

Von Tübingen aus Richtung Süden

Wie so oft beginnt auch diese Motorradtour in Tübingen. Wenn ich zu Hause starte, ist das natürlich mein Lieblingsausgangspunkt: raus in die Garage, Motorrad hervorgeholt, den Tiger gesattelt und schon kann es losgehen.

Die ersten Kilometer sind für mich eher vertrautes Terrain. Von Tübingen geht es über die B28 hinaus aus der Stadt, vorbei an Bühl und weiter über Rottenburg am Neckar, Hirrlingen bis nach Rangendingen. Noch keine spektakulären Bergpässe, keine dramatischen Serpentinen und auch keine Landschaft, bei der ich alle 500 Meter anhalten und die Kamera auspacken müsste. Aber zum Einrollen ist die Strecke genau richtig.

Was mir an diesem Morgen Anfang August besonders auffällt, sind die vielen bereits abgeernteten Felder. Große Heu- und Strohballen liegen überall in der Landschaft und warten darauf, abgeholt zu werden. Gefühlt ist das alles mindestens einen Monat zu früh. Schließlich haben bei uns in Baden-Württemberg gerade erst vor ein paar Tagen die großen Ferien begonnen. In meinem Kopf gehört die Ernte irgendwie ans Ende des Sommers und nicht an dessen vermeintlichen Anfang. Aber offenbar hält sich die Landwirtschaft ähnlich wenig an meinen Kalender wie das Wetter.

Die Bäume entlang der Strecke haben sich trotz der Hitze der vergangenen Wochen erstaunlich gut gehalten. Das Laub ist überwiegend noch satt und dunkelgrün. Nur hier und da steht einer da, der sich den trockenen Böden offenbar bereits ergeben hat und mit ersten braunen Blättern vorsichtig den Herbst probt.

Viel Verkehr ist an diesem Morgen nicht unterwegs. Das darf gerne so bleiben. Ab und zu kommt mir ein anderer Motorradfahrer entgegen und dann funktioniert dieses kleine Ritual, das vermutlich kein Autofahrer so richtig nachvollziehen kann: Die linke Hand geht kurz raus, ein knapper Gruß über den Lenker und weiter geht’s.

Man kennt sich nicht, man wird sich vermutlich nie wiedersehen – aber für diesen kurzen Moment ist klar: Wir sind heute aus demselben Grund unterwegs.

Tour and Stopovers

Rechts ab – jetzt wird es langsam Schwarzwald

Von Haigerloch aus geht es weiter Richtung Empfingen, über Neckarhausen und Schopfloch bis nach Hallwangen. Und irgendwo auf diesen Kilometern verändert sich die Landschaft ganz unauffällig. Die Felder werden weniger, die Wälder dichter, die Straßen schmaler. Man merkt ziemlich schnell: Jetzt bin ich auf dem Weg in den Nordschwarzwald.

Genau solche Übergänge mag ich beim Motorradfahren. Kein großes Schild verkündet feierlich: „Achtung, ab hier wird es schön!“ Die Landschaft macht das ganz alleine. Hinter der nächsten Kurve steht plötzlich mehr Wald als Haus herum, die Straße beginnt sich stärker dem Gelände anzupassen und aus dem gemütlichen Dahinrollen wird langsam wieder richtiges Motorradfahren.

Aussichtspunkte gibt es unterwegs einige, und normalerweise bin ich durchaus ein Freund davon, einfach mal anzuhalten und in die Landschaft zu schauen. Aber jetzt? Viel zu früh. Die Tiger ist warm, ich bin warm, die Straße passt – da unterbricht man doch nicht freiwillig den Betriebsablauf.

Also lieber das Helmvisier ein Stück nach oben. Nicht nur, damit etwas mehr Luft in den Helm kommt, sondern weil Motorradfahren für mich auch mit Gerüchen zu tun hat. Der Sommer riecht hier nach abgeernteten Feldern, trockenem Waldboden und Bäumen, die dringend auf den nächsten Regen warten. Dann kommt irgendwo ein Sägewerk dazu und plötzlich liegt dieser intensive Duft von frisch gesägtem Holz in der Luft. Kein künstlicher Schwarzwald-Raumduft könnte das besser hinbekommen.

Spätestens jetzt weiß ich: Der Schwarzwald beginnt.

Und mit ihm ändern sich auch die Straßen. Sie werden schmaler, kurviger und gelegentlich etwas eigenwilliger. Rund um Schopfloch und Hallwangen gibt es bereits die ersten kleinen Kurvenkombinationen und Serpentinen, bei denen man das Motorrad wieder etwas mehr arbeiten lassen darf. Keine spektakulären Alpenkehren, sondern genau diese kleinen Landstraßen, auf denen eine Tour ihren Rhythmus bekommt.

Beim Straßenbelag sollte man allerdings nicht davon ausgehen, dass deutsche Ingenieurskunst überall einen spiegelglatten Teppich ausgerollt hat. Manche Abschnitte besitzen eine ausgesprochen individuelle Oberflächenstruktur. Flickstellen, Unebenheiten und unterschiedliche Asphaltqualitäten sorgen dafür, dass Fahrwerk und Fahrer gelegentlich gemeinsam darüber diskutieren dürfen, welche Linie wohl die bessere gewesen wäre.

Gerade mit dem Motorrad heißt das: Blick weit nach vorne, Geschwindigkeit passend wählen und in den schattigen Waldpassagen etwas genauer hinschauen. Dort können Feuchtigkeit, Laub oder kleinere Verschmutzungen länger auf der Fahrbahn bleiben. Und auf schmaleren Straßen lohnt es sich ohnehin, nicht jede Kurve so zu nehmen, als würde am Ausgang jemand eine Bestzeit notieren. Meistens steht dort nämlich höchstens ein Traktor.

Aber genau diese Mischung gefällt mir. Kleine Orte, dichter werdender Wald, der Geruch des Sommers im Helm und eine Straße, die nicht perfekt sein will. Von Haigerloch kommend ist das für mich der Moment, an dem aus einer Fahrt in Richtung Schwarzwald langsam eine richtige Schwarzwaldtour wird.

154 Kilometer standen am Ende auf dem Tacho. Klingt überschaubar, fühlt sich aber nach deutlich mehr an, wenn man sich treiben lässt, statt einfach nur Strecke zu machen. Gute drei Stunden unterwegs, mit allem, was dazugehört: Kurven, kleine Umwege und diese kleinen Momente, die man nicht planen kann.

Michael Lieder | Reiseblog24

Zapfsäule und Schwarzwaldschatten

Bei Hörschweiler kommt mir ein großer Autohof gerade recht. Meine Tiger meldet zwar noch keinen akuten Flüssigkeitsnotstand, aber der Tankinhalt ist inzwischen überschaubar genug, um nicht unbedingt darauf vertrauen zu wollen, dass sich mitten im Nordschwarzwald zufällig eine Tankstelle materialisiert. Also runter von der Strecke und ran an die Zapfsäule.

Eigentlich wollte ich den Blick auf den Literpreis vermeiden. Eine Strategie, die ungefähr so gut funktioniert wie der Versuch, beim Motorradfahren nicht auf die nächste Kurve zu schauen. 2,09 Euro für einen Liter Super E10. Ich kontrolliere vorsichtshalber noch einmal, ob ich versehentlich an einer Champagner-Zapfsäule gelandet bin. Nein, alles richtig.

Der kleine Tank meines Motorrads wird damit zur ersten größeren Ausgabe des Tages. Immerhin zeigt sich hier einer der vielen Vorteile des Motorrads: Es verbraucht weniger als ein Auto und produziert dafür erheblich mehr gute Laune pro Liter. Eine Kennzahl, die meiner Meinung nach dringend in die offiziellen Verbrauchsangaben aufgenommen werden sollte.

Vollgetankt geht es weiter. Auf dem Navi liegt vor mir ein langer grüner Abschnitt. Viel Wald, kleine Straßen und kaum größere Orte. Genau das, was ich jetzt brauche. Denn inzwischen hat die Sonne beschlossen, aus diesem Sommertag einen Belastungstest für Mensch, Maschine und Motorradbekleidung zu machen. Wer bei solchen Temperaturen schon einmal in kompletter Schutzkleidung an einer roten Ampel gestanden hat, weiß: Motorradfahren kann auch Sauna. Nur dass man in der Sauna normalerweise keine Stiefel trägt.

Über Herzogsweiler und Altensteig führt meine Strecke weiter durch das Köllbachtal in Richtung Martinsmoos. Die Straßen werden kleiner, der Verkehr dünner und der Wald dichter. Kaum verschwinde ich unter dem Blätterdach, fällt die Temperatur spürbar. Nach den offenen und aufgeheizten Abschnitten zuvor fühlt sich das fast wie eine natürliche Klimaanlage an. Fensterheber gibt es auf der Tiger ohnehin nicht, also muss der Schwarzwald diesen Job übernehmen.

Gerade an heißen Sommertagen sind solche Strecken ein Geschenk. Zwischen den hohen Bäumen bleibt die Luft angenehm, immer wieder führen kleine Kurven durch schattige Täler, vorbei an Wiesen, einzelnen Höfen und winzigen Ortschaften. Hier muss niemand Geschwindigkeitsrekorde aufstellen. Die Straßen sind stellenweise schmal, der Asphalt hat durchaus Charakter und hinter der nächsten Kurve können Traktor, Radfahrer oder ein gemütlich wandernder Schwarzwälder auftauchen. Ein bisschen Aufmerksamkeit gehört also dazu.

Und genau hier zeigt sich für mich wieder, warum ich solche Touren so gerne fahre. Ich bin gar nicht weit von zu Hause entfernt und entdecke trotzdem Straßen und Orte, die ich bisher nie auf dem Schirm hatte. Während man bei einer Fernreise selbstverständlich erwartet, ständig etwas Neues zu sehen, übersieht man erstaunlich leicht das Unbekannte direkt vor der eigenen Haustür.

Manchmal braucht es eben keine Alpenüberquerung und keine tausend Kilometer Anfahrt. Es reicht ein voller Tank, eine Nebenstraße, die man bisher immer ignoriert hat, und die Entscheidung, nicht den schnellsten Weg zu nehmen.

Gut, bei 2,09 Euro pro Liter sollte die Nebenstraße dann vielleicht nicht völlig ziellos sein. Irgendwo hört schließlich auch die Abenteuerlust auf und die Kreditkarte beginnt zu weinen.

Ein kleiner Tipp am Rande. Wenn man von Böblingen kommt und in Richtung Tübingen abbiegt, kommt irgendwann auf halbem Weg nach Bebenhausen ein kleiner Ort, der berühmt und bekannt ist für sein Kloster. Das ist durchaus einen Besuch wert und man kann hier auch herrlich unter anderem Mittagessen, bevor man wieder in die „Großstadt Tübingen“ kommt.

Michael Lieder | Reiseblog24
Nützliche Informationen

Tipps & Ressourcen

154 Kilometer, die einfach gutgetan haben

154 Kilometer später stehe ich wieder dort, wo ich losgefahren bin. Und während der Motor langsam abkühlt, denke ich mir: Manchmal sind es eben nicht die großen 500-Kilometer-Touren, die am Ende hängen bleiben. Keine Alpenüberquerung, kein Pass-Marathon und auch keine Strecke, nach der man abends beim Absteigen erst einmal überprüfen muss, ob die Knie noch zum restlichen Körper gehören.

Heute waren es einfach 154 Kilometer Motorradfahren.

Keine spektakulären Pässe, keine weltberühmten Aussichtspunkte und kein „Das musst du unbedingt gesehen haben“-Highlight. Dafür kleine Straßen, Wald, Landschaft, ein paar schöne Kurven und erstaunlich wenig Verkehr. Und, was inzwischen fast schon als besonderes Qualitätsmerkmal einer Motorradtour durchgehen könnte: kaum Nachwuchs-Rossis, die gerade ihren Motorradführerschein bestanden haben und offenbar der Meinung sind, die Landstraße sei eine Außenstelle des Nürburgrings.

Ich merke immer wieder, wie angenehm es ist, wenn ich einfach meinen eigenen Rhythmus fahren kann. Ich muss niemandem etwas beweisen, keine Kurve auf der letzten Rille nehmen und auch nicht mit 160 km/h auf die nächste Geschwindigkeitsbegrenzung zufliegen, nur um anschließend beherzt in die Bremse zu greifen. Das Motorrad kann so viel mehr, als nur schnell zu sein.

Gerade auf solchen Strecken genieße ich meine Triumph besonders. Ruhig durch die Ortschaften, draußen wieder etwas beschleunigen, in die nächste Kurve eintauchen und das Motorrad einfach laufen lassen. Nicht langsam, aber entspannt. Nach vielen Jahren auf zwei Rädern ist das für mich ohnehin die angenehmste Art des Motorradfahrens geworden. Flüssig fahren macht mir deutlich mehr Spaß als hektisch fahren.

Und genau deshalb mag ich solche kleinen Runden inzwischen so sehr. Ich komme dabei tatsächlich runter. Irgendwann verschwinden Termine, Computer, E-Mails und der ganze Kleinkram, den man den Tag über im Kopf herumschleppt. Übrig bleiben Straße, Maschine und die Frage, wo es hinter der nächsten Kurve weitergeht. Erstaunlich, wie zuverlässig ein Motorrad Dinge aus dem Kopf bekommt, für die andere Menschen offenbar Meditationskurse und Klangschalen benötigen.

Das Schöne daran: Für solche 154 Kilometer brauche ich keinen Urlaub und keine wochenlange Planung. Diese Runde funktioniert auch an einem langen Sommerabend nach Feierabend. Motorrad aus der Garage holen, Helm auf, losfahren. Zwei oder drei Stunden später komme ich zurück und habe während eines ziemlich großen Teils der Strecke dieses etwas alberne Grinsen im Gesicht, das vermutlich jeder Motorradfahrer kennt.

Gemeinsam fahren

Wenn Du mal in der Gegend bist und Lust auf eine gemeinsame Tour hast dann melde Dich gerne, wenn das Wetter stimmt, können wir uns treffen und gemeinsam eine gemütliche Alb oder Schwarzwald Erkundung starten.  

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ScenicApp: Von Tübingen in Richtung Straßburg

Hier geht es zur Tourbeschreibung und Du kannst Dir die Tour auch zum nach fahren als GPX Navigationsdatei herunterladen.

Wenn Du mal in der Gegend bist und Lust auf eine gemeinsame Tour hast dann melde Dich gerne, wenn das Wetter stimmt, können wir uns treffen und gemeinsam eine gemütliche Alb oder Schwarzwald Erkundung starten.  

Useful Information
  • Länge 154 km
  • Höhe: Start 320m (max: 726 m)
  • Zeit: ca. 2:20 Stunden
  • Tempo: moderat
  • Pausen: jede Menge möglich
  • Kurven: Viele
  • Einfach zu fahren

Meine Empfehlungen (*), hier habe ich gute bis sehr gute Erfahrungen gemacht....