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Thailand Auszeit (Sabbatical)

Ranong der nördlichste Punkt im Süden

Wer Thailand abseits der Postkarten-Klischees sucht, landet irgendwann in Ranong – meist zufällig, oft verliebt. Die nördlichste Provinz Südthailands zeigt sich grün, feucht und wunderbar unaufgeregt: über 80 % Regenwald, dampfende heiße Quellen mit leichter Schwefelnote und Inseln, die noch nicht wissen, was ein Beachclub ist. Ranong ist Tor zu Ko Phayam und Ko Chang, braucht diesen Ruhm aber nicht. Hier rauscht der Dschungel lauter als der Verkehr, und Entschleunigung ist kein Wellness-Versprechen, sondern Alltag. Ein Ort für alle, die Thailand lieber spüren als abhaken möchten.

Reiseblog24 | Ranong der nördlichste Punkt im Süden

Ein bisschen verloren – und genau richtig

Ranong ist für mich so etwas wie der nördlichste Punkt im Süden

Wenn man vom Süden aus auf die Karte schaut, ist Ranong für mich so etwas wie der nördlichste Punkt im Süden. Warum genau diese Stadt oder gleich die ganze Region in meiner Reiseplanung gelandet ist, kann ich im Nachhinein gar nicht mehr so genau sagen. Ich hatte hier und da davon gelesen, dass es „interessant“ sein soll, dass man es sich ruhig einmal anschauen könne. Und manchmal reicht genau das schon als Grund.

Ranong liegt bewusst abseits der klassischen Touristenrouten. Kein Pflichtstopp, kein Instagram-Hotspot, kein Ort, an dem Reisebusse im Minutentakt halten. Und vielleicht ist es genau das, was den Reiz ausmacht. Denn die Gegend rund um Ranong hat deutlich mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Besonders gefallen hat mir das Bummeln durch die Stadt. Ohne Ziel, ohne Plan. Kleine Geschäfte, schmale Gassen, immer wieder ein Tempel dazwischen, dann wieder ein Straßenstand, ein Lächeln, ein kurzer Blickkontakt. Es gibt hier so viele kleine, liebenswerte Details, dass man sich erstaunlich schnell wohlfühlt. Ranong will nichts beweisen. Es ist einfach da. Ein Moment ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Auf dem Night Market wurde ich fotografiert. Nicht von mir – sondern von anderen. Unter Gelächter stellte sich heraus, dass ich offenbar seit Monaten der erste Europäer war, der hier aufgetaucht ist. Nicht verlaufen, nicht durchgereicht, sondern einfach da. Ein ungewohntes, fast absurdes Gefühl. Normalerweise fotografiert man auf Reisen – hier war ich plötzlich selbst Teil des Motivs.

Und genau das hat diesen Ort für mich besonders gemacht. Kein Gefühl von Fremdsein im negativen Sinne, sondern Neugier auf beiden Seiten. Offen, herzlich, ehrlich interessiert. Ich habe keine Minute davon bereut, Ranong besucht zu haben. Manchmal sind es genau diese Orte, bei denen man sich vorher nicht sicher ist, warum man sie überhaupt eingeplant hat. Und am Ende sind es genau die, die am längsten nachwirken.

Thema: Thailand Auszeit (Sabbatical)
Autor: Michael Lieder
Aktualisiert: 19. Januar 2026
22974 Aufrufe

Thailand Auszeit (Sabbatical)
Die nördlichste Provinz in Südthailand

Wer Thailand ohne Massentourismus erleben möchte, stößt früher oder später auf einen Namen, der fast wie ein leises Versprechen klingt: Ranong. Die nördlichste Provinz im Süden des Landes empfängt Reisende mit über 80 Prozent immergrünem Regenwald, stillen Inseln in der Andamanensee und schwefelhaltigen heißen Quellen, die eher zum Durchatmen als zum Posten einladen. Ranong ist zudem Ausgangspunkt zu bekannten Inseln wie Ko Phayam und Ko Chang – hat aber selbst genug Charakter, um nicht nur Durchgangsstation zu sein. Was hier sofort auffällt: Fremdländische Reisende sind selten. Stattdessen begegnet man herzlichen Einheimischen, die neugierig, offen und angenehm unaufgeregt sind. Man wird nicht als Kunde gesehen, sondern als Gast. Und genau so fühlt es sich auch an – ursprünglich, ehrlich, fast ein wenig entschleunigt.

Die dünn besiedelte Provinz liegt rund 200 Kilometer nördlich von Phuket und ist über gut ausgebaute Straßen erreichbar. Auf einer dieser Straßen habe ich auch meine erste Polizeikontrolle in Thailand erlebt. Fenster runter, kurzer Blick ins Auto, ein Strahlender Polizist, der nur meinte: "Ah... Rammstein" das war’s. Keine Papiere, keine Fragen auch nicht über meinen Musikgeschmack. Warum hier kontrolliert wird, bleibt offen. Vielleicht geht es tatsächlich darum, bestimmte Bewegungen zu überwachen – sicher sagen lässt sich das nicht. Auffällig war es trotzdem.

Historisch spielte Ranong eine wichtige Rolle als Handelsstadt, besonders für portugiesische und chinesische Händler. Spuren dieser Zeit finden sich noch heute in der Architektur: alte Fassaden, Details, die nicht ganz thailändisch wirken, sondern von einer anderen Epoche erzählen. Schon der Ortseingang fühlt sich an wie ein Tor in ein anderes Thailand – eines, das weniger geschniegelt, weniger laut und deutlich näher an sich selbst ist.

Geschichte zum anfassen
– das über 100 Jahre alte Tian Sue Haus

Ein wahres Kleinod in Ranong ist das über 100 Jahre alte Tian Sue House. Versteckt zwischen anderen Gebäuden in einer unscheinbaren Nebenstraße liegt es fast schüchtern im Stadtbild. In meinem Navi wollte es sich zunächst nicht zeigen, also habe ich im Hotel nachgefragt – und wie so oft führte genau das zu den besten Tipps.

Das Haus wurde von Tian Sue erbaut, einem gebürtigen Chinesen, der vor über 100 Jahren nach Thailand immigrierte und hier mit seiner Familie lebte. Der Baustil wird dem chinesisch-portugiesischen Stil zugeordnet und erzählt damit viel über die Handelsgeschichte Ranongs. Bis heute wird das Anwesen von einem Neffen in x-ter Generation gepflegt und instand gehalten – mit sichtbar viel Hingabe und Respekt vor der Vergangenheit.

Besonders ins Auge fällt der Eingangsbereich: Zahlreiche rosafarbene Sonnenschirme spenden Schatten und tauchen den Vorhof in ein warmes, fast sanftes Licht. Schon hier stellt sich dieses Gefühl ein, dass man nicht einfach ein Haus betritt, sondern ein Stück gelebte Geschichte. Die Anlage kann tagsüber kostenlos und auf eigene Faust erkundet werden. Raum für Raum entdeckt man Relikte vergangener Zeiten – Möbel, Alltagsgegenstände, kleine Details –, die nicht museal wirken, sondern fast so, als würde gleich jemand um die Ecke kommen.

Alles hier wirkt liebevoll erhalten, nicht geschniegelt, nicht ausgestellt, sondern bewahrt. Genau das macht den Reiz aus. Man schlendert, bleibt stehen, schaut genauer hin und merkt, wie viel Herzblut nötig ist, um so einen Ort über mehr als ein Jahrhundert lebendig zu halten.

Unaufdringlich, fast wie ein Teil des Inventars, befindet sich im Innenhof ein kleiner Laden. Dort lassen sich Andenken und regionale Produkte erwerben. Eine kleine Sammelbox im zentralen Bereich hilft dabei, das Anwesen ohne Eintrittsgelder weiter betreiben zu können – eine stille Einladung, Wertschätzung zu zeigen.

Im Eingangsbereich auf der linken Seite gibt es zudem ein kleines Restaurant. Wer möchte, kann hier länger verweilen, etwas trinken oder auch eine komplette Mahlzeit genießen und die besondere Atmosphäre auf sich wirken lassen. Das Tian Sue Haus ist kein Ort für Eile. Es ist ein Ort, an dem man spürt, wie Geschichte weiterlebt – leise, würdevoll und ganz nah.

Die City wird abends erst wach - Nightmarket

Abends wird es dann richtig lebendig. Ranong wacht auf, und zwar dort, wo man es am ehrlichsten erlebt: auf dem Ranong Night Market. Ein besonderes Erlebnis – nicht zuletzt, weil sich hier nur sehr selten Ausländerherzen verirren. Und genau das macht den Reiz aus. Es war wirklich ein kleiner Kulturschock. Im besten Sinne. In Ranong gibt es kaum Touristen, und das merkt man sofort. Niemand versucht, einem irgendetwas aufzuschwatzen, niemand dreht an der Preisschraube. Plötzlich bekommt man ein Gefühl dafür, was Lebensmittel, Kleidung oder Streetfood hier wirklich kosten. Und ja – das ist teilweise haarsträubend günstig. Etwa halb so teuer wie in den touristischen Hotspots, wo man es selbst schon als billig empfindet. Die Menschen sind dabei durchweg freundlich, offen und spürbar neugierig. Kein Misstrauen, kein genervtes Lächeln, sondern echtes Interesse. Überall wird gehandelt, gekauft, verkauft, gegessen, gelacht. Kinder rennen zwischen den Ständen umher, Händler rufen ihre Angebote aus, und zwischendrin steht man selbst – sichtbar fremd, aber niemals fehl am Platz.

Natürlich wird man als Ausländer beobachtet. Gemustert. Vielleicht auch ein bisschen bestaunt. Aber nie auf eine unangenehme Art. Ganz im Gegenteil: Ich habe mich hier zu keiner Sekunde unwohl gefühlt. Eher willkommen. Das bunte Treiben ist für europäische Augen ein Erlebnis, das man nicht einfach abhakt, sondern mitnimmt. Was ich leider nicht transportieren kann, sind die Gerüche. Die fehlen hier schmerzlich. An jeder Ecke riecht es anders. Niemals unangenehm. Mal würzig-scharf, mal süß und fruchtig, dann wieder herzhaft aus einer der vielen Garküchen, wo frisch zubereitetes Essen sofort das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Ein Duftmix, der süchtig macht.

Wenn du in der Gegend bist: Lass dir dieses Erlebnis nicht entgehen. Ranongs Nachtmarkt ist kein Spektakel für Touristen – sondern ein Stück echtes Leben. Und genau deshalb bleibt er im Kopf.

Tempel in Ranong – Wat Uppanantharam

Ein stiller Mikrokosmos mitten in der Stadt – zu Besuch im Wat Uppanantharam
Der Besuch im Wat Uppanantharam beginnt schon vor dem eigentlichen Betreten des Tempelareals. Von der belebten Tha Muang Road aus wirkt der Eingang fast wie ein Übergang in eine andere Welt. Hinter mir Verkehr, Stimmen, Motoren – vor mir das farbenprächtige Tor, das nicht nur einen Ort markiert, sondern auch einen Stimmungswechsel. Ein Schritt hindurch, und die Geräuschkulisse verändert sich spürbar.

Im unteren Bereich des Tempelgeländes herrscht noch Alltag. Überdachte Marktstände, einfache Verkaufsflächen, Menschen, die einkaufen, sich unterhalten, kurz stehen bleiben. Es wirkt nicht wie ein klassischer Tempelvorplatz, sondern eher wie ein gewachsener Treffpunkt. Spiritualität und Alltag existieren hier nicht getrennt, sondern nebeneinander. Genau das macht den Ort so authentisch. Je weiter man sich nach oben bewegt, desto ruhiger wird es. Die Architektur öffnet sich, Farben werden sanfter, Bewegungen langsamer. Das zentrale Tempelgebäude mit dem Schrein steht ruhig und erhaben im Mittelpunkt. Hier ist der Raum den Mönchen vorbehalten, hier wird gebetet, meditiert, innegehalten. Niemand erklärt etwas, niemand weist einen zurecht – man merkt intuitiv, wie man sich zu verhalten hat. Leiser werden. Beobachten. Respekt zeigen. Besonders eindrücklich war für mich der Moment, als ich zufällig in eine Zeremonie hineingeriet. Es war keine inszenierte Veranstaltung für Besucher, sondern gelebter Glaube. Menschen brachten Gaben für die Mönche, liebevoll verpackt, teilweise bunt, teilweise schlicht. Tanz, Trommeln und Musik mischten sich zu einem Rhythmus, der zunächst fremd wirkt, dann aber erstaunlich mitreißend ist. Der kleine Festzug bewegte sich mehrfach um das zentrale Gebäude, begleitet von Zurufen, Lachen und einer spürbaren Freude.

Als Farang bleibt man dabei Beobachter. Und genau das fühlt sich richtig an. Man steht nicht im Mittelpunkt, man wird nicht integriert, aber auch nicht ausgeschlossen. Man darf da sein, schauen, lernen. Was genau in den Ritualen passiert, erschließt sich nicht vollständig – aber vielleicht muss es das auch nicht. Manche Dinge wirken gerade deshalb, weil sie nicht erklärt werden. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist diese Mischung aus Lebendigkeit und Ruhe. Wat Uppanantharam ist kein musealer Tempel, kein stilles Postkartenmotiv. Er lebt. Er wird genutzt. Er ist Teil des Viertels. Und genau deshalb entfaltet er eine besondere Wirkung. Mitten in der Stadt bietet er einen Raum, der entschleunigt, ohne sich abzuschotten.

Der Besuch war für mich weniger ein klassisches Sightseeing-Erlebnis, sondern eher ein stilles Eintauchen. 

Ein riesige Stadt mit vielen Facetten

Die Provinz Ranong erstreckt sich über eine Fläche von rund 3.298 Quadratkilometern und gehört damit nicht zu den größten, aber zu den vielseitigsten Regionen Thailands. Von Bangkok ist Ranong etwa 568 Kilometer entfernt, von Phuket rund 300 Kilometer in nördlicher Richtung. Schon diese Lage macht deutlich: Ranong liegt abseits der klassischen Routen – geografisch wie touristisch.

Im Westen grenzt die Provinz an die Andamanensee, im Norden direkt an Myanmar (früher Burma). Östlich schließen sich die Provinzen Chumphon und im Süden Surat Thani an. Diese Grenzlage prägt Ranong kulturell, landschaftlich und historisch spürbar. Ranong ist zudem eine Besonderheit in klimatischer Hinsicht. Mit mehr als 4.000 Millimetern Niederschlag pro Jahr gilt sie als die regenreichste Provinz Thailands. Gleichzeitig ist sie auch die am dünnsten besiedelte. Kein Widerspruch, sondern eine logische Folge: Die Regenzeit dauert hier rund acht Monate im Jahr. Üppige Vegetation, dichter Regenwald und eine fast schon überwältigende Natur sind das Ergebnis. Die beste Reisezeit liegt entsprechend zwischen Dezember und April, wenn sich das Wetter von seiner zugänglicheren Seite zeigt. Trotz der vergleichsweise kleinen Fläche bietet Ranong eine beeindruckende landschaftliche Vielfalt: heiße Quellen, Wasserfälle, weiße Sandstrände, immergrüner Regenwald und vorgelagerte Inseln entlang der Küste. Vieles davon wirkt unberührt, wenig erschlossen, fast so, als hätte man Thailand ein paar Jahrzehnte zurückgedreht.

Ein geografisches Highlight liegt im Nordosten der Provinz: der Kra Isthmus. Hier befindet sich die schmalste Stelle der malaiischen Halbinsel. Gerade einmal rund 44 Kilometer Land trennen an dieser Stelle die Andamanensee vom Golf von Thailand. Ein Ort, der zeigt, wie schmal dieses Land eigentlich ist – und wie groß zugleich seine Vielfalt. Ranong ist keine Provinz für den schnellen Haken auf der Landkarte. Sie erschließt sich langsam, mit Geduld, Offenheit und ein wenig Neugier. Wer sich darauf einlässt, entdeckt ein Thailand, das leise ist, grün, ursprünglich – und erstaunlich vielschichtig.

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Thailand, das ideale Reiseziel

Hier sind 10 gute Gründe, warum eine Reise nach Thailand fast immer eine richtige Entscheidung ist – und warum es sich lohnt, sich wirklich auf dieses Land einzulassen:

Thailand empfängt dich mit echter Herzlichkeit

Freundlichkeit ist hier kein Marketingbegriff. Lächeln, Hilfsbereitschaft und ehrliches Interesse an Menschen gehören zum Alltag.

Das Land funktioniert – auch wenn nicht alles perfekt ist

Transport, Essen, Unterkünfte: Selbst abseits der Touristenrouten kommt man erstaunlich unkompliziert zurecht.

Du bestimmst dein Tempo selbst

Thailand lässt dir die Wahl: Abenteuer oder Hängematte, Großstadt oder Dorf, Action oder Stille. Alles geht, nichts muss.

Essen ist hier kein Nebenschauplatz

Straßenküche, Märkte, kleine Garküchen – Essen ist Kultur, Begegnung und Lebensfreude in einem.

Natur in allen Varianten

Traumstrände, Dschungel, Berge, Nationalparks, Inseln – kaum ein Land bietet so viel Abwechslung auf vergleichsweise kurzer Distanz.

Thailand erdet

Der Blick auf das Wesentliche kommt hier fast automatisch. Weniger Besitz, mehr Leben. Weniger Tempo, mehr Moment.

Alleine reisen fühlt sich hier richtig an

Thailand ist eines der besten Länder, um allein unterwegs zu sein – sicher, offen, verbindend.

Du lernst Gelassenheit

Dinge dauern manchmal länger. Und genau darin liegt eine Lektion, die man mit nach Hause nimmt.

Begegnungen bleiben hängen

Gespräche mit Einheimischen, Mitreisenden, Zufallsbekanntschaften – vieles ist flüchtig, manches überraschend tief.

Thailand verändert Perspektiven

Wer sich wirklich einlässt, reist nicht nur durch ein Land, sondern auch ein Stück durch sich selbst.


Kurz gesagt: Thailand ist kein Ziel, das man „abhakt“.

Es ist ein Land, das etwas mit einem macht – leise, nachhaltig und oft genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet.

Michael Lieder | Reiseblog24

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