Khao Sok - der Nationalpark
Khao Sok ist kein „Instagram-Set“, sondern ein echter Ort mit echter Wirkung: Naturwucht, ja – aber auch Damm, Flutung, Besucherandrang und die üblichen Tourismus-Schmerzen (Abwasser, Müll, Lärm, überteuerte Hütten). Wer damit ehrlich umgeht, wird belohnt: mit Nebel über dem Wasser am Morgen, Dschungel-Sounds statt Entertainment-Programm und dem Gefühl, dass Natur nicht dafür da ist, uns zu gefallen – sondern dass wir uns kurz reinsetzen dürfen, ohne sie kaputtzumachen. Wenn die Regeln stimmen und der Anbieter sauber arbeitet, ist Khao Sok ein Highlight. Wenn nicht, wird aus Magie schnell Massenbetrieb auf dem Steg.


Zwischen Regenprognosen und Urwaldversprechen
Von Ranong aus rolle ich langsam wieder Richtung Phuket. Das Wetter? Postkartenreif. Strahlend blau, warm, freundlich – von herannahender Monsunzeit keine Spur. Und genau da beginnt dieser leise Widerspruch im Kopf. Die Dame in Khao Lak hatte recht: Das Wetter ist unberechenbarer geworden. Selbst hier, weit im Süden, fühlt sich das Klima nicht mehr so verlässlich an wie früher. Der Klimawandel ist kein abstrakter Begriff mehr, er fährt inzwischen ganz entspannt auf dem Beifahrersitz mit.
Aber statt mich darüber zu ärgern, entscheide ich mich für etwas sehr Menschliches: Ich genieße den Moment. Die Straße ist gut ausgebaut, der Verkehr überschaubar, der Fahrtwind warm, die Klimaanlage tut, was sie soll. Mein Ziel heißt Khao Sok – ein Nationalpark, der weniger besucht wird als er verdient hätte. Dichter, fast schon ehrfürchtiger Urwald, dramatisch aufragende Kalksteinfelsen und dieses eine Highlight, das alles überstrahlt: der Chiao-Lan Staudamm. Ein Ort, der nicht laut ruft, sondern leise zieht. Und genau deshalb wirkt.
Besonders freue ich mich auf meine Unterkunft. Eine Lodge mitten im Urwald, irgendwo zwischen Vogelrufen, Zikadenkonzert und dem Gefühl, wirklich mal weg zu sein. Keine Poolanimation, kein Frühstücksbuffet mit Kampf um die besten Croissants. Stattdessen Natur, Ruhe und dieses leichte Kribbeln, das immer dann entsteht, wenn man nicht genau weiß, was die nächsten Tage bringen – außer Abenteuer.
Vielleicht regnet es morgen. Vielleicht auch nicht. Vielleicht ist genau das der Punkt: Nicht alles planen, nicht alles kontrollieren wollen. Einfach ankommen, eintauchen, loslassen. Und wenn der Urwald mir dann nachts erklärt, wer hier eigentlich das Sagen hat, höre ich höflich zu.
Khao Sok - Nationalpark
Die Weiterreise steht an. Ziel: Khao Sok Nationalpark. Rund 200 Kilometer liegen zwischen Ranong und diesem grünen Versprechen im Süden Thailands. Ich habe mir dafür gut dreieinhalb Stunden Zeit gelassen – nicht aus Zwang, sondern aus purer Lust am Unterwegssein. Eine kleine Pause zwischendurch, etwas essen, tief durchatmen, schauen. Genau so fühlt sich Reisen richtig an. Die Straßen überraschen mich immer wieder. Teilweise vierspurig schneiden sie sich durch den Dschungel oder werden gerade ausgebaut, und das in einem Zustand, der das Fahren angenehm entspannt macht. Thailand lässt sich bislang erstaunlich stressfrei bereisen. Kein permanentes Hupkonzert, kein Chaos – eher ein gleichmäßiger Rhythmus, in den man sich fast automatisch einfügt.
Und dann diese Landschaft. Hinter jeder Kurve wartet etwas Neues. Endloses Grün, Wälder, die wirken, als hätten sie keinen Anfang und kein Ende. Palmenhaine, blühende Hecken, vereinzelte Bäume, die aussehen, als hätten sie ihren Platz ganz bewusst gewählt. Und immer wieder, fast beiläufig, ein Blick auf das Meer im Hintergrund – als wollte es sagen: Ich bin auch noch da. In den Ortschaften am Straßenrand wird das Bild komplett. Spielende Kinder, streunende Hunde, kleine Läden, einfache Restaurants, aus denen es verführerisch duftet. Nichts wirkt inszeniert, nichts bemüht. Es ist einfach da. Echt, lebendig, manchmal ein wenig chaotisch – aber genau das macht diesen Roadtrip so besonders.
Jeder Kilometer fühlt sich richtig an. Dieses Land zu bereisen macht mir mit jedem Tag mehr Freude, als ich es mir vorher ausgemalt habe. Und während der Motor gleichmäßig vor sich hinläuft, wächst die Vorfreude auf das, was kommt. Khao Sok wartet. Und ich bin mehr als bereit.
Die Fahrt über den See
Heute steht eines der absoluten Highlights im Khao Sok Nationalpark an: die Fahrt mit einem Longtailboot hinaus auf den Stausee. Schon beim Einsteigen ist klar, das hier wird kein stilles Dahingleiten, sondern ein echtes Erlebnis – laut, lebendig und genau richtig.
Als 1982 der Ratchaprabha-Damm gebaut wurde, entstand der Cheow-Lan-See. Große Teile des ursprünglichen Nationalparks wurden geflutet, um Platz für dieses riesige Gewässer zu schaffen. Heute umfasst der See – je nach Wasserstand – rund 162 Quadratkilometer. Eingebettet in eine Landschaft aus monumentalen Kalksteinfelsen wirkt er fast surreal, wie ein überdimensionales Naturkunstwerk.
Die Tour habe ich direkt über meine Unterkunft gebucht. Abfahrt war um 8:30 Uhr – und tatsächlich: Der Guide stand pünktlicher vor der Tür als jede deutsche Regionalbahn. Ein extrem gut gelaunter Thai, der mit viel Humor, kleinen Faxen und erstaunlich viel Fachwissen unsere zehnköpfige Gruppe durch den Tag begleitet. Allein dafür hätte man ihm eigentlich schon Trinkgeld geben müssen. Geplant ist eine etwa anderthalbstündige Bootsfahrt zu einem schwimmenden Camp mitten auf dem See. Dort gibt es Mittagessen, Zeit zum Baden und optional eine Cave Tour. Die eigentlich angebotene Alternative – eine Wanderung zu einem Wasserfall – fällt heute leider aus. Kein Drama. Bei dieser Kulisse vermisst man wenig. Mit dröhnendem Motor und ordentlich Spritzwasser geht es quer über den See. Vorbei an mächtigen Felsen, die bis in die Spitzen bewaldet sind und wirken, als hätten sie sich einfach aus dem Wasser geschoben. Diese Formationen sind legendär. Jeder, der sich schon einmal mit Thailand beschäftigt hat, hat sie irgendwo gesehen – in Prospekten, auf Webseiten oder als kitschiges Hintergrundbild. Und trotzdem: In echt sind sie noch einmal eine ganz andere Hausnummer.
Ein kleiner Stopp in einer stillen Bucht gehört zu den besonderen Momenten der Fahrt. Motor aus, Ruhe an. Diese dschungelartige Fjordlandschaft wirkt fast unwirklich. Der Blick auf die berühmten drei Felsen Hai Hin Sam Glur ist schlicht atemberaubend. Übersetzt bedeutet der Name so viel wie „Drei Brüder“ oder „Drei Freunde“ – und genau so stehen sie da, ruhig, stolz und zeitlos. Dieser Ausflug gehört ohne Zweifel zu den Höhepunkten des Khao Sok Nationalparks. Wer hier unterwegs ist und diese Bootsfahrt auslässt, hat definitiv etwas verpasst. Ganz klar: ganz nach oben auf die To-do-Liste.
Mitten auf dem See, dort wo wir unser Mittagessen einnehmen, offenbart sich eine ganz eigene Welt. Auf dem Wasser treiben schwimmende Hütten, angeordnet wie kleine Dörfer. Hier findet nicht nur das Restaurantleben statt, sondern auch der Hotelbetrieb. Ja, man kann tatsächlich mitten auf dem See übernachten – umgeben von Kalksteinfelsen, Wasser und dieser besonderen Stille, die tagsüber schon magisch wirkt. In der Theorie ein Traum. In der Vorstellung noch mehr.
Und dann kommen sie, diese kleinen Knackpunkte, die das romantische Bild leicht ins Wanken bringen. Die Hütten selbst bewegen sich eher in der Kategorie „minimalistisch mit sehr viel Wohlwollen“. Unterste Kategorie, wenn man ehrlich ist – preislich allerdings ganz weit oben. Das gleicht sich im Kopf erst einmal nicht so richtig aus. Spätestens wenn man feststellt, dass Hütte an Hütte auf einem langen Steg steht, wird es spannend. Privatsphäre ist hier eher ein Gerücht. Man hört den Nachbarn beim Umdrehen zu, kennt seine nächtlichen Geräusche schneller als seinen Namen und beginnt sich unweigerlich zu fragen, wo eigentlich die eigenen – nun ja – Hinterlassenschaften landen. Der See ist groß, keine Frage, aber Gedanken machen darf man sich ja trotzdem.
Versteht mich nicht falsch: Der Ort hat Magie. Viel sogar. Aber genau deshalb lohnt es sich, kurz innezuhalten und abzuwägen. Ob das persönliche Reiseglück wirklich zwischen schwimmenden Wänden, dünnen Brettern und sehr offenen Fragen zur Sanitärlogistik liegt, muss jeder für sich entscheiden.
Für mich bleibt es ein faszinierender Ort für ein paar Stunden. Zum Staunen, zum Fotografieren, zum Träumen. Ob für die Nacht? Da darf man zumindest kurz darüber nachdenken – und dann sehr bewusst entscheiden.
Nationalpark
- Ausweisung / Gründung: 22. Dezember 1980
- Fläche: ca. 738,74–739 km² (≈ 461.712,5 Rai)
- Besucherzahlen (offizielle Statistik):
- 2019: 419.470
- 2020: 297.868
- 2021: 104.978
Stausee / Damm
- Projekt/Entstehung: Cheow-Lan-See entstand durch den Ratchaprapha-Damm (EGAT).
- Bauzeit Damm: Beginn 9. Feb 1982 – Fertigstellung Sept 1987
- Inbetriebnahme / Flutung: Der See wurde 1987 geflutet bzw. offiziell in Betrieb genommen.
- Wasserfläche des Stausees: häufig angegeben mit ca. 185 km² (je nach Pegel/Quelle schwankend).
- Kraftwerksleistung: 240 MW (3 × 80 MW)
Umsiedlungen (kritischer Kontext darf sein)
- Betroffenes Dorf / Dörfer: In Quellen wird konkret Ban Cheow Lan (Ban Chiew Lan) genannt (mindestens dieses Dorf).
- Umgesiedelte Haushalte: 385 Familien werden als Resettlement-Zahl genannt.
- Umgesiedelte Menschen: Eine einheitliche, belastbare Personenzahl wird in den Standardquellen oft nicht sauber ausgewiesen (Familien/Haushalte sind die häufigste Angabe).
Khao Sok und der Cheow-Lan-See sind Thailand in Cinemascope: Kalksteinzacken, Dschungelgeräusche, Wasserflächen wie aus einem Traum. Aber genau weil es so schön ist, lohnt sich der zweite Blick. Denn hinter dem Panorama steckt ein Stausee mit Geschichte, Tourismus mit Nebenwirkungen – und ein Naturerlebnis, das fantastisch sein kann, wenn man Erwartungen, Anbieter und Timing realistisch wählt.
Khao Sok wurde zwar als Nationalpark ausgewiesen, trotzdem heißt das nicht automatisch: unberührte Wildnis. Schutz bedeutet dort Alltag: Ranger-Präsenz, Kontrolle von Zugängen, Regeln für Touren, begrenzte Zonen. In der Praxis hängt viel davon ab, wie gut Aufsicht, Budget und Durchsetzung funktionieren – und wie viele Besucher gerade durchs System laufen.
Der See wirkt wie Naturkino (Kalksteinfelsen, Nebel, Inselchen), ist aber das Ergebnis eines Damms. Das verändert Landschaft und Wasserhaushalt dauerhaft: Wasserstände schwanken, Uferzonen verschieben sich, und Lebensräume im und am Wasser werden künstlich „neu verteilt“. Das ist nicht automatisch schlecht – aber es ist eine klare Umgestaltung, keine „natürliche Lagune“.
Beim Dammbau wurden Flächen überflutet, und Menschen mussten weichen. Das kommt in vielen Reise-Erzählungen kaum vor, weil es die Postkarten-Ästhetik stört. Wer den Ort fair beschreiben will, sollte wissen: Der See ist auch ein Kapitel Infrastrukturpolitik, nicht nur ein Fotospot.
Man findet unterschiedliche Angaben zur Fläche (je nachdem, ob „Wasserfläche“, „Reservoir bei Normalpegel“ oder Verwaltungsgrenzen gemeint sind). Für Reisende klingt das nebensächlich, ist aber wichtig: Pegelstand und Saison entscheiden, wie viel „See“ du wirklich hast, welche Buchten trockenfallen und wie lang Bootsstrecken dauern. In der Trockenzeit ist das Erlebnis oft ein anderes als nach starken Regenphasen.
Die berühmten Inselberge sind im Grunde ehemalige Hügelspitzen. Was mal zusammenhängender Wald war, wurde in viele „Waldinseln“ zerlegt. Das kann Tierpopulationen trennen (Genfluss), Reviere verkleinern und Arten verdrängen, die große, zusammenhängende Lebensräume brauchen. Gleichzeitig entstehen neue Lebensräume am Wasser – nur eben andere, nicht gleichwertige.
Khao Sok gilt als sehr artenreich, mit beeindruckender Pflanzenwelt und tropischem Regenwald. Trotzdem: Viele Tiere sind scheu, nachtaktiv oder leben in Bereichen, die du als Besucher nie siehst. Wenn Anbieter „Gibbons garantiert“ oder „Wildlife sicher“ insinuieren, ist das Marketing. Realistisch ist: Du bekommst eher Geräusche, Spuren, und mit Glück einzelne Sichtungen – und genau das ist eigentlich das Authentische.
Mit steigenden Besucherzahlen wächst das Risiko, dass der Ort sein eigenes Erfolgsprodukt frisst: Boote im Konvoi, laute Gruppen, Musik am Steg, Plastikmüll, Abwasserfragen. Besonders kritisch wird’s bei schwimmenden Unterkünften/Restaurants: Wenn Abwasser- und Abfallmanagement nicht sauber geregelt und kontrolliert ist, zahlt der See die Rechnung.
Die Übernachtung auf dem Wasser klingt nach Traum, ist aber je nach Anlage eher „Abenteuer mit Matratze“: dünne Wände, Geräusche vom Steg, eng an eng, teils einfache Sanitärstandards. Preislich wird’s oft sportlich im Verhältnis zur Ausstattung. Wer Ruhe und Privatsphäre sucht, sollte genau hinschauen – sonst wird aus „Magie“ schnell „Nachbarn schnarchen auf 1,5 Meter“.
In der Regenzeit kann es wunderschön dramatisch sein – oder schlicht unpraktisch: kurze, heftige Schauer, aufgeweichte Wege, rutschige Pfade, eingeschränkte Sicht am See. Bootstouren können wetterbedingt angepasst/verkürzt werden. Dazu kommen Risiken wie Dehydrierung/Hitze, Insekten und rutschige Kalksteinbereiche. Wer „easy day trip“ erwartet, kann überrascht werden.
Ein kritischer Punkt ist das, was rund um Parks gerne mitwächst: Touren, die Wildtiere „zuverlässig“ machen wollen (Anfüttern, laute Annäherung, Stress durch zu viele Boote). Auch Nacht-Safaris können problematisch werden, wenn Licht und Lärm übertrieben sind. Gute Anbieter erklären Regeln, halten Abstand, begrenzen Gruppen – schlechte verkaufen „Erfolg“.
Kurz gesagt: Thailand ist kein Ziel, das man „abhakt“.
Es ist ein Land, das etwas mit einem macht – leise, nachhaltig und oft genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet.

Nord Schwarzwald - die Mineralwasser Tour

































































