Derry / Londonderry - Konflikte & Kultur
Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich Derry – oder Londonderry, wie sie hier offiziell genannt wird – überrascht und fasziniert hat. Diese Stadt im Nordwesten Nordirlands ist so viel mehr als nur ein weiterer Stopp auf der Irland-Reise. Hier spürt man das Leben und die Geschichte in jeder Gasse, auf jedem Platz.
Ein Ort, der mich zum Nachdenken gebracht hat
Vom ersten Moment an hat mich diese lebendige Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart gepackt: Umgeben von den alten Stadtmauern, die eine der am besten erhaltenen Stadtbefestigungen Europas bilden, bewegt man sich in einer Kulisse, die von Legenden und Geschichten durchdrungen ist. Gleichzeitig begegnet man überall moderner Kunst und spürt, wie die Stadt eine neue, kreative Ära lebt. Überall gibt es tolle Cafés und kleine Läden, freundliche Menschen und ein bisschen diese irische „Willkommen daheim“-Atmosphäre, die sofort ansteckt.
Es ist ein Ort, der mich zum Nachdenken gebracht, aber auch zum Staunen gebracht hat – mit seiner offenen Art, mit seiner Ehrlichkeit und seiner ganz eigenen Art, das Leben zu feiern. Wenn du dich ein bisschen für Geschichte, Kunst und echte, unverstellte Stadterlebnisse interessierst, dann ist Derry ein Ort, der dich ebenso in seinen Bann ziehen wird.
Durch die Altstadt von Derry / Londonderry
Es gibt Abende, da legt sich eine Stadt nicht schlafen, sondern öffnet leise ihr Herz. In Derry – oder Londonderry, je nachdem, wen man fragt und wie viel Geschichte mitschwingt – ist genau das der Moment, wenn die Sonne hinter den Hügeln verschwindet und der Himmel diese nordirischen Orangetöne annimmt, die aussehen, als hätte jemand zu lange mit dem Aquarellkasten gespielt. Ich liebe solche Stunden. Sie verlangen nichts, außer langsam zu gehen.
Mein Spaziergang beginnt an der Peace Bridge. Modern, geschwungen, fast schon elegant – und doch schwer beladen mit Bedeutung. Sie verbindet nicht nur zwei Ufer des Foyle, sondern auch alte Gräben in den Köpfen. Während ich darüberlaufe, spiegelt sich das Abendlicht im Wasser, und für einen kurzen Moment fühlt sich alles erstaunlich ruhig an. Friedlich sogar. Nordirland kann das – wenn es will.
Drüben angekommen stolpere ich direkt ins Oktoberfest von Londonderry. Ja, richtig gelesen. Ein großes Zelt, irische Musik, Guinness in ehrlichen Gläsern und Irish Stew, der mehr Trost als Kalorien liefert. Ein bisschen absurd, ein bisschen charmant. Ich bleibe kurz stehen, höre zu, schmunzle – und ziehe weiter. Die Altstadt wartet.
Durch eines der alten Stadttore betrete ich das ummauerte Herz der Stadt. Die Mauern, gebaut im frühen 17. Jahrhundert, stehen da wie sture Zeitzeugen, die schon alles gesehen haben und trotzdem nicht müde werden. Auf ihnen zu gehen, besonders am Abend, fühlt sich an wie eine kleine Zeitreise – nur ohne Souvenirshop am Ausgang.
Oben weht ein kühler Wind, unten leuchten die Straßenlaternen. Die Stadt wirkt gleichzeitig wach und nachdenklich. Hier wurde gestritten, gelitten, gehofft. Heute erzählen die Steine leiser davon, fast versöhnlich. Manchmal steht irgendwo ein Geschichtenerzähler, manchmal ist es nur das Knirschen der eigenen Schritte.
Ich gehe langsam, lasse die Jahrhunderte an mir vorbeiziehen und denke: Derry ist keine Stadt, die sich aufdrängt. Sie erzählt ihre Geschichte nicht laut, aber ehrlich. Und genau das macht diesen Abendspaziergang so besonders. Ein kleines Abenteuer, ganz ohne große Bühne – aber mit viel Gefühl.
Ein Abend in Derry ist ein Spaziergang zwischen den Welten, zwischen Geschichte und Moderne, zwischen alten Wällen und lebendiger Kultur. Die Stadt hat eine unvergleichliche Atmosphäre und zieht jeden in ihren Bann, der sich auf das Erlebnis einlässt. Ein Besuch, der nicht nur für Geschichtsinteressierte ein Muss ist, sondern für alle, die das authentische Nordirland erleben möchten.
Ein Spaziergang durch Derry/Londonderry ist ein Spaziergang durch die Jahrhunderte – und perfekt für einen halben Tag, der mit Kultur, Geschichte und einem Schuss irischer Magie gefüllt ist. Hier ist mein Guide für einen unvergesslichen Rundgang durch die Stadt!
1. Start am Guildhall Square
Egal, ob du mit dem Zug oder dem Auto anreist, der Guildhall Square ist ein idealer Ausgangspunkt. Die Guildhall selbst ist eine beeindruckende Mischung aus neugotischen und neogotischen Elementen und wirkt fast wie aus einem Märchen. Die bunten Glasfenster erzählen von der bewegten Geschichte der Stadt und machen die Guildhall zu einem echten Blickfang. Wenn du ein bisschen Zeit hast, lohnt sich ein kurzer Besuch im Inneren, wo es oft Ausstellungen zur Geschichte Nordirlands gibt.
2. Besuch der St. Columb’s Cathedral
Nur wenige Schritte von der Guildhall entfernt steht die älteste Kathedrale in Derry, die St. Columb’s Cathedral. Sie wurde 1633 fertiggestellt und ist ein fantastisches Beispiel für den anglikanischen Kirchenstil, der mit seiner robusten Architektur irgendwie perfekt in die grüne irische Landschaft passt. Die Kathedrale ist John Columba gewidmet, einem irischen Mönch, der nicht nur als Stadtgründer gilt, sondern auch maßgeblich zur Christianisierung Schottlands beigetragen hat.
Hier kannst du sowohl das beeindruckende Kirchenschiff bewundern als auch den Friedhof mit seinen alten Grabsteinen, die Geschichten von unzähligen Generationen Derry-Bewohner erzählen. Ein kleiner Geheimtipp: Frag den Guide nach dem Apprentice Boys Memorial Window – das detailreiche Buntglasfenster erinnert an die Belagerung der Stadt 1689 und die legendären Lehrlingsjungen, die sich gegen eine angreifende Armee zur Wehr setzten.
3. Ein Spaziergang auf der Stadtmauer
Eine der Hauptattraktionen Derrys sind natürlich die Stadtmauern, die seit dem Bau im 17. Jahrhundert fast vollständig erhalten geblieben sind. Sie ziehen sich in einem ungefähr 1,5 Kilometer langen Kreis um die Altstadt und bieten an einigen Stellen einen unglaublichen Blick über die Stadt und den Fluss Foyle. Der Mauer-Rundgang ist kostenlos und kann von verschiedenen Einstiegspunkten begonnen werden – ich empfehle den Start bei Bishop’s Gate, einem der beeindruckenden Stadttore.
Während du auf der Mauer entlangschlenderst, wirst du auf einige interessante Sehenswürdigkeiten stoßen: zum Beispiel das “Walker’s Pillar” (ein Denkmal für Reverend George Walker, der die Verteidigung der Stadt während der Belagerung organisierte) und das Double Bastion, eine der größeren Befestigungen. Und von den höher gelegenen Bastionen aus hast du einen wunderbaren Blick auf das bekannte Viertel Bogside mit seinen berühmten Murals, die die politische Geschichte Nordirlands erzählen.
4. Street Art in Bogside
Apropos Murals: Wenn du noch ein wenig mehr von Derrys Geschichte erleben willst, dann ist ein Abstecher in das Viertel Bogside ein Muss. Die Straßenmalereien dort erzählen von den schwierigen Zeiten des Troubles, des jahrzehntelangen Konflikts in Nordirland. Die “People’s Gallery” ist besonders berühmt – eine Sammlung von Wandmalereien, die Hoffnung und Frieden in einem Viertel symbolisieren, das so viel Leid gesehen hat. Hier kannst du ein tieferes Verständnis für die jüngere Geschichte Nordirlands entwickeln und die freundliche, ungebrochene Energie der Stadtbewohner erleben.
5. Kleiner Stopp im Craft Village
Von Bogside führt der Weg zurück Richtung Stadtzentrum. Aber bevor du deine Tour beendest, mach noch einen Abstecher ins Craft Village. Dieser kleine, versteckte Marktbereich erinnert ein wenig an ein Mini-Disneyland für Kunsthandwerk und Antiquitäten. Die Häuser sind so charmant gebaut, dass man sich in eine andere Zeit versetzt fühlt. Hier gibt es Läden mit handgefertigten irischen Souvenirs, kleine Kunstgalerien und süße Cafés. Perfekt, um bei einem frisch gebrühten irischen Tee oder Kaffee eine Pause zu machen!
6. Zum Abschluss: Peace Bridge und der Fluss Foyle
Bevor du Derry verlässt, lohnt sich ein letzter Spaziergang über die Peace Bridge, die den Fluss Foyle überspannt. Die elegante Brücke verbindet die Stadtteile Waterside und Cityside und steht symbolisch für die Hoffnung und den Frieden, die Derry heute prägen. Von hier aus hast du einen großartigen Blick auf die gesamte Stadtmauer, die sich über die sanft gewellte Landschaft zieht, und kannst das Panorama von Derry noch einmal auf dich wirken lassen.
Derry war schon immer ein Brennpunkt der Spannungen zwischen irischen Nationalisten (meist Katholiken) und Unionisten (meist Protestanten), die sich mit Großbritannien verbunden fühlten. Besonders im 20. Jahrhundert entluden sich diese Spannungen in einem gewaltvollen Konflikt, der als die „Troubles“ bekannt wurde und Nordirland ab den späten 1960er Jahren über Jahrzehnte prägte.
Ich erinnere mich noch gut an die fast täglichen Schlagzeilen, die uns damals erreichten – heute, an diesem Ort, spüre ich fast Ehrfurcht die Geschichte, die hier gelebt wurde und noch wird. Obwohl ich die Wurzeln des Konflikts nur ansatzweise verstehen kann, hallt die bedrückende Atmosphäre dieser Erinnerung bis in die Gegenwart nach.
Derry hat sich weitgehend mit seiner Vergangenheit arrangiert. Zwar gibt es gelegentlich Provokateure auf beiden Seiten der religiösen und politischen Gräben, doch die Mehrheit der Menschen hier hat ihren Frieden gefunden – auch wenn dieses Kapitel der irischen Geschichte für viele noch immer nicht abgeschlossen ist.
Protest und politische Ohnmacht
Derry war ein Zentrum dieser Spannungen. Die katholische Bevölkerungsmehrheit fühlte sich wirtschaftlich und politisch stark benachteiligt, da viele Ressourcen und politische Macht in den Händen der protestantischen Minderheit lagen. Diese Situation führte 1968 zu den ersten Bürgerrechtsmärschen in Derry, bei denen Menschen für Gleichheit und gegen Diskriminierung protestierten. Doch die Reaktionen auf diese Demonstrationen waren oft heftig und führten zu noch mehr Spannungen und Auseinandersetzungen.
Bloody Sunday – Der 30. Januar 1972
Am 30. Januar 1972 kam es in Derry zu einem der tragischsten Ereignisse in der Geschichte Nordirlands: dem Bloody Sunday. An diesem Tag veranstaltete die Bürgerrechtsbewegung einen friedlichen Protestmarsch gegen Internierungen ohne Gerichtsverfahren. Diese willkürlichen Inhaftierungen, die vor allem gegen katholische Nationalisten gerichtet waren, hatten in der Bevölkerung großen Unmut ausgelöst. Der Protestmarsch sollte friedlich bleiben und verlief durch das Bogside-Viertel, einem Viertel mit starker katholischer Bevölkerung, das heute noch für seine politischen Wandmalereien bekannt ist.
Die britische Armee, die den Marsch überwachen sollte, griff jedoch unerwartet ein. Soldaten des 1. Bataillons des Parachute Regiments eröffneten das Feuer auf die unbewaffneten Demonstranten. In nur wenigen Minuten wurden 13 Menschen erschossen und 15 weitere schwer verletzt. Ein 14. Mensch starb Wochen später an den Folgen seiner Verletzungen. Die Soldaten behaupteten zunächst, die Demonstranten seien bewaffnet gewesen und hätten das Feuer eröffnet, doch spätere Untersuchungen zeigten, dass alle Opfer unbewaffnet waren.
Die Folgen des Bloody Sunday
Bloody Sunday hatte weitreichende Folgen und verstärkte die bereits vorhandenen Spannungen. Er führte zu einer massiven Zunahme an Gewalt im gesamten Nordirland-Konflikt, und viele junge Nationalisten schlossen sich in der Folge der IRA (Irish Republican Army) an. Die Wut und das Entsetzen über die Ereignisse des Bloody Sunday verstärkten den Widerstand gegen die britische Regierung und trugen dazu bei, den Konflikt weiter anzuheizen.
Der Vorfall führte zu einer Untersuchung, dem sogenannten Widgery Report, der die Soldaten zunächst weitgehend entlastete. Diese Untersuchung wurde jedoch als einseitig kritisiert und führte zu noch mehr Empörung. Erst im Jahr 1998 ordnete die britische Regierung eine neue Untersuchung an, die unter dem damaligen Premierminister Tony Blair als Saville Inquiry bekannt wurde. Nach 12 Jahren kam die Saville-Untersuchung im Jahr 2010 zu dem Schluss, dass die Demonstranten unschuldig waren und die britische Armee unrechtmäßig gehandelt hatte. Der damalige Premierminister David Cameron entschuldigte sich offiziell bei den Familien der Opfer und bezeichnete die Ereignisse als “ungerecht und unentschuldbar”.
Bloody Sunday und das heutige Derry
Heute ist Bloody Sunday ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur in Derry, und die Stadt hat sich zu einem Ort des Gedenkens und des Friedens entwickelt. Im Bogside-Viertel erinnern Murals an die Opfer des Bloody Sunday und die Kämpfe der Bürgerrechtsbewegung. Besonders eindrucksvoll ist das Wandgemälde “The Bloody Sunday Mural” der Bogside Artists, das den getöteten Zivilisten gedenkt und die Erinnerung an die blutige Geschichte wachhält.
Jährlich findet in Derry ein Gedenkmarsch zum Bloody Sunday statt, der an die Opfer und an den andauernden Kampf für Gleichheit und Frieden erinnert. Diese Veranstaltungen tragen zur Heilung und Versöhnung bei, während die Stadt gleichzeitig einen neuen Weg des Miteinanders eingeschlagen hat. Die berühmte Peace Bridge, die 2011 gebaut wurde, verbindet symbolisch die beiden Seiten des Flusses Foyle und ist ein Zeichen für die neue Ära des Friedens und des Respekts in Derry.
Das Museum von Free Derry
Es erzählt eindrucksvoll vom Aufstand eines überwiegend von Arbeitern bewohnten Stadtviertels, das nach jahrelanger Unterdrückung für seine Rechte kämpfte. Für uns, die wir Irland und seine Geschichte kennenlernen wollen, ist dieses Museum ein zentraler Ort zum Nachdenken – über den Sinn und Unsinn von Rivalitäten und Unterdrückung.
Rise like Lions after slumber
In unvanquishable number -
Shake your chains to earth like dew
Which in sleep had fallen on you -
Ye are many - they are few.*
Erhebt euch wie Löwen aus dem Schlummer
In unauslöschlicher Zahl -
Schüttelt eure Ketten zur Erde wie Tau
Der sich im Schlaf auf euch gelegt hat.
Ihr seid viele - sie sind wenige.*
*Percy Bysshe Shelley schrieb dieses Gedicht im Anschluss an das Peterloo-Massaker 1822 in England. Demonstranten hatten eine Reform des parlamentarischen Systems verlangt. Dabei waren 15 Personen getötet und mehrere hundert verletzt worden. Das Gedicht ruft unterdrückte Menschen dazu auf, sich zu vereinen und nimmt Forderungen der Einwohner von Free Derry vorweg.
Die Flugverbindungen von Deutschland nach Irland sind vielfältig und gut ausgebaut, da es zahlreiche Direktflüge zwischen den beiden Ländern gibt.
Flugverbindungen ab Deutschland
Deutschland bietet gute Direktflugverbindungen nach Irland, insbesondere nach Dublin. Flugzeiten sind relativ kurz, und die Qualität des Fluges hängt von der gewählten Airline ab. Gepäckregelungen sind besonders bei Low-Cost-Carriern streng, und Reisende sollten sich über eventuelle Zusatzgebühren informieren. Die meisten Flüge bieten praktische Ankunftszeiten, und es ist empfehlenswert, eine Reiseversicherung abzuschließen, um unvorhergesehene Kosten zu vermeiden.
Die meisten Flüge gehen zum Dublin Airport, dem größten Flughafen Irlands. Andere Flughäfen wie Cork und Shannon werden seltener direkt angeflogen. Die durchschnittliche Flugzeit zwischen Deutschland und Irland beträgt:
- Von Berlin oder München nach Dublin: etwa 2,5 Stunden
- Von Frankfurt oder Hamburg nach Dublin: etwa 2 Stunden
- Flüge in den Süden Irlands (z.B. nach Cork) können etwas länger dauern, aber meist nicht mehr als 3 Stunden.
Freiheit mit dem Mietwagen
Wenn du planst, in Irland einen Mietwagen zu nehmen, kannst du das Land in deinem eigenen Tempo erkunden und hast die Freiheit, auch abgelegene Orte zu entdecken, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer erreichbar sind.
Mietwagenpreise können stark schwanken, insbesondere in der Hauptreisezeit zwischen Juni und August. Wenn du Geld sparen möchtest, ist es ratsam, den Mietwagen so früh wie möglich zu buchen. Schau dir verschiedene Anbieter an und vergleiche die Preise online. Denke auch daran, dass zusätzliche Kosten für Versicherungen, Jungfahrergebühren oder Einwegmieten anfallen können.
Ein Mietwagen in Irland bietet dir die Möglichkeit, die atemberaubende Landschaft, wie die Cliffs of Moher, den Ring of Kerry oder den Giant's Causeway in Nordirland, ganz in deinem eigenen Rhythmus zu erleben.
Die Namensfrage ist ein andauerndes Diskussionsthema. Nationalisten bevorzugen „Derry“, während „Londonderry“ oft von Unionisten verwendet wird. Beide Namen sind offiziell korrekt, und es wird häufig augenzwinkernd als „Stroke City“ bezeichnet, weil in Texten oft „Derry/Londonderry“ steht.
Derry gilt als eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte auf der irischen Insel. Ihre Geschichte reicht bis ins 6. Jahrhundert zurück, als der heilige Columba ein Kloster auf dem Hügel gründete, auf dem sich heute die Stadt erstreckt.
Die Stadtmauern von Derry aus dem 17. Jahrhundert sind nicht nur beeindruckend, sondern auch komplett erhalten. Sie umschließen das historische Zentrum auf einer Länge von etwa 1,5 Kilometern und bieten eine der besten Möglichkeiten, Derry zu Fuß zu erkunden.
Besonders das Viertel Bogside ist bekannt für seine politisch aufgeladenen Wandmalereien, die „Murals“. Sie erinnern an den Bloody Sunday, die Troubles und die Bürgerrechtsbewegung und sind eine Mischung aus Kunst und politischer Geschichte.
Am 30. Januar 1972 wurde der Bloody Sunday in Derry zu einem Wendepunkt im Nordirlandkonflikt. Bei einem Protestmarsch gegen Internierungen ohne Gerichtsverfahren erschossen britische Soldaten 13 unbewaffnete Zivilisten – ein tragisches Ereignis, das in die Geschichte einging.
Im Jahr 2013 wurde Derry/Londonderry zur allerersten „UK City of Culture“ ernannt. Dieses kulturelle Jahr brachte viele neue Festivals, Ausstellungen und Veranstaltungen, die der Stadt einen modernen und lebendigen Schub verliehen.
Die „Apprentice Boys of Derry“ sind eine historische Vereinigung, die an die Belagerung der Stadt im Jahr 1689 erinnert, als 13 Lehrlinge die Stadttore schlossen, um eine Armee des katholischen Königs Jakob II. abzuwehren. Dieser Mut wird noch heute gefeiert und ist ein wichtiges Symbol für die Stadt.
St. Columb’s Cathedral, erbaut 1633, ist die älteste protestantische Kathedrale in Nordirland. Sie ist ein Meisterwerk der Architektur und eine der wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Die Peace Bridge, eröffnet 2011, verbindet die katholisch geprägte „Cityside“ mit der protestantischen „Waterside“ über den Fluss Foyle. Die Brücke symbolisiert die Hoffnung auf ein friedliches Miteinander und ist eines der schönsten Fotomotive in Derry.
Derry hat sich einen Namen als Drehort für Filme und Serien gemacht, darunter die populäre TV-Serie Derry Girls, die auf humorvolle Weise die Teenagerjahre in den letzten Jahren der Troubles darstellt. Die Show hat Derry zu einem modernen Kultort gemacht und zieht Fans aus aller Welt an.
