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Reiseblog Stamm

Über die Alb durchs Lautertal

Wieder geht es von Tübingen über die Schwäbische Alb, dieses Mal aber nach vielen Jahren mal wieder durch das Lautertal und zurück ab Zwiefalten durch das Dobeltal.

Zwischen Kurven und Bürokratie

Eine Alb-Tour mit Beigeschmack

Es gibt Dinge, die man als Motorradfahrer einfach nicht ignorieren kann: den Duft von frisch gemähtem Gras in der Kurve, das Röhren des Motors beim Rauffahren auf die Alb – und die neuesten Fahrverbote, die einem die Laune zwischen Helmkante und Hinterreifen vermiesen. In letzter Zeit liest man ja wieder allerhand über geplante Einschränkungen im Lautertal und drumherum – als würde man Motorräder inzwischen eher als Lärmquelle denn als Lebensfreude betrachten.

Ich wollte wissen, wie sich das Ganze konkret anfühlt – nicht auf dem Papier, sondern auf dem Asphalt. Also habe ich mir bei bestem Sommerwetter die Jacke übergeworfen, den Tank gefüllt und bin genau durch jene Ecken der Schwäbischen Alb gebrettert, die bald oder auch schon jetzt nur noch mit dem Fernglas erlaubt sind. Was ich gesehen, gespürt und vielleicht auch zwischen den Zeilen gelesen habe – das erfährst du in diesem kleinen Erfahrungsbericht direkt von der Straße. Spoiler: Mein Navi hat nicht gestreikt, aber mein Stirnrunzeln war stellenweise deutlich spürbar.

Trans Alps Adventure
Hier beginnt die Tour - Tübingen

Tourverlauf und Zwischenstopps

Dinge, die man nicht verpassen sollte

Höhepunkte der Strecke

Der Motor schnurrt, der Helm sitzt, und der Himmel über Tübingen zeigt sich von seiner besten Seite – Zeit, dem Alltag den Rücken zu kehren und den Tiger aus dem Stall zu lassen. Ja, mein treues Bike hat mal wieder Auslauf bekommen. Startpunkt: wie so oft mein Heimathafen Tübingen. Ziel: eine Runde, die ich schon mal irgendwann ähnlich gefahren bin, aber wie sagt man so schön – gute Strecken altern nicht, sie werden nur besser.

Die geplante Tour: eine entspannte Runde von knapp 175 Kilometern. Drei Stunden, sagt das Navi – was ungefähr so realistisch ist wie ein „nur kurz was im Baumarkt holen“. In Wahrheit wurde es eine Viertagesreise in Motorradzeit, also rund vier Stunden mit einer strategischen Kalorienaufnahme in Zwiefalten. Ja, da gibt’s gutes Essen. Und nein, ich bereue nichts.

Die Strecke ist ein Klassiker: von Tübingen über Gomadingen und Genkingen auf die Schwäbische Alb – dort, wo die Kühe noch Dialekt muhen und der Asphalt sich in Kurven windet wie ein alter Telefonhörer. Kurz bevor Münsingen ruft, biege ich in Gomadingen ab und rolle ins Lautertal. Eine Gegend, die klingt wie ein Gedichtband, aber aussieht wie ein Werbeplakat für „Deutschland in schön“. Und während das Navi immer noch glaubt, ich sei längst wieder daheim, genieße ich Kurve für Kurve, Blick für Blick – und die Erkenntnis, dass eine gute Tour nicht nach Kilometern zählt, sondern nach Geschichten.

Es wird grüner, ruhiger, irgendwie poetischer. Und zwischendurch gibt’s Burgen, Ruinen und Wanderparkplätze, als hätte der ADAC persönlich hier Kurven in die Landschaft geschrieben.

Michael Lieder | Reiseblog24
Tour and Stopovers

Zwischen Kanu-Kindheit und Kurvenspaß – unterwegs im Lautertal

Wie sich das Leben doch wandelt: Früher paddelte ich mit den Kleinen im Kanu auf der Lauter – heute sind die Kleinen groß, und ich cruise mit ein paar PS unterm Hintern durch eben jenes Tal. Statt Paddelschlag jetzt Gashahn. Und auch wenn das ein bisschen melancholisch klingt – jede Lebensphase hat ihren eigenen Zauber. Heute ist eben Kurvenzauber angesagt.

Das Lautertal hat sich dabei kaum verändert: noch immer schlängelt sich die Straße elegant zwischen Felsen, Wiesen und Wäldern hindurch. Burgen grüßen von oben herab – manchmal charmant, manchmal wie eine mittelalterliche Radarfalle – und wer mag, kann einen kleinen Abstecher zur Wimsener Höhle machen. Ja, genau die Höhle, bei der man zuerst denkt: „Ach, das ist doch nur ein Loch im Fels“ – und dann plötzlich in einem Boot sitzt, unter Tropfsteinen hindurchgleitet und sich fragt, ob man noch im Lautertal oder schon in Tolkiens Moria gelandet ist.

Doch so frei wie der Fahrtwind fühlt sich die Tour nicht mehr an – denn kaum biegt man ins Tal ein, wird’s deutlich: Schilder. Viele. Die Mehrheit davon richtet sich nicht etwa an Raser im SUV oder unentschlossene Radfahrer auf der Mittelspur, sondern zielen direkt auf uns – die Zweiradfraktion. Fahrverbote an Wochenenden, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Streckensperrungen. Willkommen im “Tal der Einschränkungen”.

Lautertal – zwischen Leisetreter-Paradies und Kurven

Jetzt könnte man natürlich anfangen zu schimpfen. Will ich aber nicht. Wirklich nicht. Auch wenn es mir – Hand aufs Gas – schwerfällt. Denn wer das Lautertal kennt, weiß: Diese Straße war mal sowas wie das stille Versprechen an alle Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer, dass das Leben mehr Kurve als Gerade sein darf. Aber gut. Die Zeiten ändern sich. Heute fährt man hier nicht mehr mit „kurz mal durchatmen“ im Helm, sondern eher mit „bitte nicht auffallen“. Es ist ein bisschen, als hätte man das Lautertal in ein Museum verwandelt. Eintritt frei, aber bitte nicht zu laut, nicht zu schnell, nicht zu fröhlich. Fotografieren erlaubt, Lebensfreude eher nicht.

Und trotzdem – ich verstehe die Anwohner. Also… ein bisschen. Wer hier lebt, möchte sonntags vielleicht lieber Vogelgezwitscher statt Auspuffgebrüll. Und ehrlich gesagt: Ich bin selbst kein Fan jener Kollegen, die mit 140 Sachen durchs Tal prügeln, als gäbe es am Ende Freibier für jeden Wheelie. Das ist keine Fahrkultur – das ist Testosteron auf zwei Rädern. Was bleibt, ist ein kleiner Wermutstropfen – und die leise Hoffnung, dass Vernunft und Genuss doch noch ein friedliches Miteinander finden. Denn das Lautertal ist – oder besser: war und ist immer noch ein bisschen – eine der schönsten Motorradstrecken auf der Schwäbischen Alb.

Die Straßen sind inzwischen sogar ein bisschen breiter als früher. Vielleicht, damit wir mit breiterem Lenker, aber schmalerer Drehzahl durchkommen. Und auch wenn es laut Schildern jetzt gemächlicher zugehen soll – den Duft der Alb kann dir keiner nehmen: frisch gemähtes Gras, abgeerntete Felder, eine Prise Kuhstall – je nach Windrichtung. Und dann dieser Moment, wenn dich eine Brise durch den Wald trifft, kühl und klar, als hätte Mutter Natur kurz ihre Fenster aufgerissen, um durchzulüften. Da vergisst du kurz die Einschränkungen und freust dich über jeden einzelnen Meter, den du genießen darfst.

Fazit: Zwiefalten ist nicht nur Etappenziel, sondern echtes Tour-Highlight. Ein Ort zum Auftanken – für Maschine, Magen und manchmal auch fürs Hirn.

Michael Lieder | Reiseblog24

Zwiefalten – Wo der Magen sich meldet und das Motorrad eine Pause braucht

Natürlich: Aufpassen muss man. Diese traumhaft schöne Gegend ist auch ein Paradies für Radfahrer – und leider gibt’s hier keine Radwege. Das heißt: Straße teilen. Und manchmal auch Kopfschütteln, wenn man sieht, wie locker-flockig da drei Rennradfahrer nebeneinander fahren, als hätten sie ein unsichtbares Begleitfahrzeug mit Blaulicht im Rücken. Aber hey – wir nehmen’s sportlich. Fahren angepasst, schauen in die Landschaft, hören in uns rein. Denn auch das ist Motorradfahren: Freiheit im Rahmen der Möglichkeiten. Und die Aussicht, nach der Tour nicht nur den Motor, sondern auch den Kopf einmal richtig durchgepustet zu haben.

Irgendwann – meist genau dann, wenn der Magen lauter knurrt als der Auspuff – taucht am Horizont die barocke Silhouette von Zwiefalten auf. Und hier, mitten auf der Schwäbischen Alb, macht der Tourenfahrer das einzig Richtige: Er geht vom Gas und rein in den Genuss. Zwiefalten ist einer dieser Orte, der aussieht, als hätte jemand ein Kloster, eine Brauerei und ein paar Gastro-Highlights in eine Postkartenkulisse geworfen – und dann beschlossen: „So, das bleibt jetzt so.“ Hier trifft Geschichte auf Hopfen, und der hungrige Motorradfahrer auf sein spätes Frühstück. Ob schwäbischer Rostbraten, Maultaschen oder doch lieber Pizza vom Holzofen – wer hier hungrig bleibt, ist selbst schuld oder macht gerade Intervallfasten.

Und das Bier? Lokales Gold, direkt aus der Zwiefalter Klosterbräu, wo man das Brauhandwerk noch mit Liebe und einem leicht ironischen Augenzwinkern betreibt. “Fahre nie schneller, als dein Schutzengel fliegen kann” – sagt man. In Zwiefalten ergänzt man: ”…und trinke nie mehr, als du noch nach Hause fahren kannst.” Wer nach dem Essen glaubt, der Tag sei gelaufen, irrt. Denn direkt neben dem Gasthaus wartet eines der prächtigsten Bauwerke der Region: die barocke Münsterkirche, die mit ihren Deckenmalereien, Altären und der ehrwürdigen Stille beinahe zum Verweilen einlädt. Und wer genau hinschaut, sieht vielleicht sogar das stille Kopfschütteln eines ehemaligen Abts, der sich fragt, warum heute mehr Motorräder als Pilger durch den Ort rollen.

Von Zwiefalten über Killer nach Hause

Zwiefalten – allein der Name klingt schon nach einem Ort, an dem man mindestens zwei Seelen in der Brust trägt. Und das passt, denn hier trennen sich bei meiner Motorradtour die Wege: Nicht nur geografisch, sondern auch kulinarisch. Denn wer nicht vorher in der Brauerei hängenbleibt, biegt kurz davor rechts ins Dobeltal ab – ein echtes Naturidyll, das man gar nicht verdient hat, so satt wie man eventuell gerade ist. Das Dobeltal ist ein Naturschutzgebiet, das sich links und rechts der Straße breitmacht wie ein zu selbstbewusstes Murmeltier. Und während die Bäume in ehrfürchtiger Stille Spalier stehen, zieht man durch die Kurven wie der heimliche König der Schwäbischen Alb. Hier wird’s auch wieder flotter: Die Straße ist breiter, Radfahrer verirren sich seltener (und wenn doch, dann meist mit dem Blick, der sagt: „Das war ein Fehler.“), und man kann entspannt ein bisschen Fahrzeit gutmachen.

Aber Obacht: Links Felsformationen wie aus einem Fantasyfilm, rechts Felder, die nie enden wollen – die Landschaft spielt hier die akustische Untermalung für den Heimweg. Man fährt nicht nur – man gleitet. Wenn man’s nicht eilig hätte, würde man glatt anhalten und ein Picknick machen. Aber das ist Zukunfts-Michaels Problem. Weiter geht’s über Gammertingen – ein Ort, der sich gern wichtiger macht, als er ist – durch charmante kleinere Ortschaften, bis man die B32 unter die Reifen bekommt. Und spätestens wenn man in Burladingen angekommen ist, lohnt sich eine kurze, aber lohnenswerte Abweichung vom Weg: Trigema-Werksverkauf. Ja, richtig gelesen – Affe mit Charakter, T-Shirts mit Qualität und Preise, bei denen selbst der Helm nickt. Wer also seine Unterwäsche vom patriotischen Patriarchen persönlich will – hier ist die Gelegenheit.

Danach wird’s poetisch: Orte wie Killer und das dazugehörige Killertal sind der dramaturgische Höhepunkt jeder Motorradroute. Wenn das Navi sagt: „In Killer links abbiegen“, dann denkst du unweigerlich, du bist auf der Flucht vor irgendwas – oder mittendrin in einem Edgar-Wallace-Film. Aber keine Sorge: Killer ist harmlos. Meistens. Kurz vor Hechingen treffen wir auf die B27 – ein Ort, an dem die Seele aufhört zu träumen und die Reifen wieder anfangen zu rollen. Ab hier ist es eher Funktion statt Faszination: die direkte Route zurück nach Tübingen. Für alle, die – so wie ich – zur Tagesschau wieder auf dem Sofa sitzen wollen.

Nützliche Informationen

Tipps & Ressourcen

Highlights

Natürlich ließe sich die Tour auch wunderbar ausdehnen: Zwiefalten geradeaus weiter, runter Richtung Riedlingen, vielleicht sogar bis zum Bodensee oder hoch zur Burg Hohenzollern – je nachdem, wie viel Rückenwind, Zeit und Espresso man im System hat.

Aber für diesen Tag war es perfekt so. 175 Kilometer Alb-Charme, vier Stunden Freiheit, ein Bauch voller Brauereikost und ein Grinsen unterm Helm, das selbst Killer nicht ausradieren konnte.

Gemeinsam fahren

Wenn Du mal in der Gegend bist und Lust auf eine gemeinsame Tour hast dann melde Dich gerne, wenn das Wetter stimmt, können wir uns treffen und gemeinsam eine gemütliche Alb oder Schwarzwald Erkundung starten.  

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📲 GPX-Download für Mitfahrerinnen und Mitfahrer

Falls du Lust bekommen hast, diese Tour selbst unter die Räder zu nehmen – gute Nachrichten:

Du kannst die komplette Route als GPX-Datei bei Scenic herunterladen und direkt in deine Navi-App importieren. Einfach unter „Alb-Runde ab Tübingen“ suchen oder diesem 📍Scenic-Link folgen.

Damit hast du nicht nur die Strecke auf dem Schirm, sondern auch die schönsten Kurven, Zwischenstopps und – wenn du willst – den Abstecher zu Trigema auf deinem Navi.

Useful Information

  • Länge 179 km
  • Höhe: Start 320m (max: 830m)
  • Zeit: ca. 3:00 Stunden
  • Tempo: angepasst bis gemäßigt
  • Pausen: jede Menge möglich
  • Kurven: Viele
  • Einfach zu fahren

Meine Empfehlungen (*), hier habe ich gute bis sehr gute Erfahrungen gemacht....