Police Bay & Lost Prison – Die wilde Seite von Mahé
Fernab von Postkarten-Seychellen zeigt Mahé seine ungeschminkte Seite: Police Bay mit roher Brandung, Wind im Gesicht und Sand, der nicht geschniegelt sein will. Gleich daneben Lost Prison – überwucherte Mauern, Geschichte mit Patina und ein Hauch Abenteuer, der leise knistert. Kein Poolservice, kein Filter. Dafür Weite, Respekt vor der Natur und dieses Gefühl, dass Wildnis manchmal mehr sagt als jeder Sonnenuntergang mit Cocktail. Ideal für alle, die Schönheit nicht geschniegelt brauchen – und Stille aushalten können.


Zwischen Brandung und Lost Place
Manchmal reicht ein einziger Tag, um zu begreifen, warum Inseln mehr sind als hübsche Kulissen. Mahé kann das ziemlich gut. Sie zeigt dir nicht nur Strände und Palmen, sondern auch diese leicht widerspenstige Seite, die erst dann auftaucht, wenn man den Asphalt verlässt und einfach weitergeht, obwohl der Weg irgendwann sagt: „Ab hier bitte selbst denken.“
Der Süden der Insel fühlt sich genau so an. Grün, dicht, feucht, ein bisschen übergriffig. Der Boden ist rutschig, die Luft klebt an der Haut, und irgendwo zwischen Farnen und knorrigen Bäumen wird klar, dass hier nicht alles für Besucher optimiert wurde. Gut so. Mahé ist an diesen Stellen kein Produkt, sondern einfach sie selbst. Man kommt langsamer voran, achtet mehr auf jeden Schritt und merkt irgendwann, dass der Kopf stiller wird, je wilder es um einen herum ist. Kein großes Drama, kein spirituelles Erwachen. Nur dieses angenehme Gefühl, wieder Teil der Szenerie zu sein statt Zuschauer.
Irgendwann öffnet sich der Blick. Nicht spektakulär im Sinne von Postkarte, sondern ehrlich. Meer in allen Blautönen, Wolken, die kommen und gehen, und dieses leise Staunen, das nicht laut sein muss. Wer hier oben steht, denkt weniger an Fotos und mehr daran, wie absurd es ist, dass man sich im Alltag über so viel Unsinn aufregt.
Und dann der abrupte Kontrast. Runter aus dem Grün, hin zur Küste. Die Police Bay liegt da wie ein Ort, der vergessen hat, berühmt zu werden. Oder es nie wollte. Kein Beachclub, keine loungige Hintergrundmusik, keine aufgereihten Liegen. Stattdessen Sand, der sich echt anfühlt, Wellen, die keinen Erziehungsauftrag haben, und ein Ozean, der nicht fragt, ob man schwimmen kann. Hier ist nichts sanft inszeniert. Der Indische Ozean wirkt roh, fast ein bisschen ungeduldig. Als würde er sagen: Schön, dass du da bist, aber bleib bitte aufmerksam.
– das andere Ende der Seychellen
Es gibt Orte, die sich anfühlen, als wären sie der letzte Zipfel der Welt. Police Bay auf Mahé ist so ein Ort – ein Stück Erde, das vom Indischen Ozean umarmt und vom Rest der Menschheit weitgehend ignoriert wird. Keine Strandbars, keine Liegestühle, kein Wifi-Signal, das verzweifelt versucht, einen Balken Empfang zu halten. Nur Wind, Wellen und das Gefühl, dass hier irgendwann mal jemand das Schild „Zivilisation Ende“ hätte aufstellen können.
Der Weg ans Ende der Straße
Der Weg dorthin ist schon ein kleines Abenteuer: Die Straße wird schmaler, bekommt tiefe Absätze am Straßenrand, der Asphalt bröckelt – und irgendwann hört selbst das Navi auf zu glauben, dass du weißt, was du tust. Stattdessen übernehmen Vögel, Wellenrauschen und gelegentlich ein misstrauischer Gecko die Navigation. Die Anfahrt von Beau Vallon über Victoria zieht sich mal wieder – für schlappe 36 Kilometer veranschlagt das Navi rund anderthalb Stunden. Und das ist, wie sich herausstellt, fast schon optimistisch. Dafür wird man unterwegs entschädigt: Links begleitet uns der Indische Ozean, und gefühlt hinter jeder Kurve öffnet sich der Blick auf eine neue kleine Traumbucht mit weißem Sand und Wasser, das so klar ist, dass selbst Aquamarin neidisch werden könnte. Es tut einfach in der Seele gut, hier entlang zu cruisen.
Wo das Meer das Sagen hat
Und dann – plötzlich – öffnet sich der Blick: Ein endloser Strand, türkisblaues Wasser, Wellen, die mit solcher Wucht anrollen, dass selbst erfahrene Surfer kurz überlegen, ob sie vielleicht doch lieber Muscheln sammeln sollten. Es ist wild, roh, ungezähmt – und genau deshalb wunderschön. Direkt am Eingang zur Police Bay steht ein Schild, das vor der gefährlichen Strömung warnt. Und ehrlich gesagt: Wir haben uns angeschaut, genickt – und beschlossen, dass wir hier wohl keinen Badestopp einlegen. Stattdessen genießen wir die Brandung, die im Takt eines kosmischen Metronoms gegen die Küste schlägt. Jede Welle ist lauter, mächtiger, lebendiger als die vorige. Weit und breit kein Mensch, nur wir, ein einsames Auto am Straßenrand – und irgendwo vielleicht noch ein anderer Glückspilz, der den Tag genauso zelebriert. Hier versteht man, warum viele Reisende sagen, die Seychellen sind mehr als Honeymoon-Klischee und Resort-Romantik. Police Bay ist die ungeschminkte Wahrheit – das Gesicht der Insel, bevor der Tourismus Make-up auftrug. Man steht da, den Sand zwischen den Zehen, die Gischt im Gesicht, und denkt: Wenn das hier das Ende der Welt ist, dann soll sie bitte noch ein paar Meter so weitergehen.
Zeit für den nächsten Akt: Drohne aus dem Kofferraum, Akku prüfen, Rotoren entfalten – die Bühne ist bereit. Nach ein bisschen Rummeniggezicke mit der Fernsteuerung (Technik hat ja auch mal Insel-Feeling) siegt schließlich der Sachverstand des Piloten. Erster Drohnenstart auf den Seychellen.
Die Kamera steigt auf, fängt das ganze Spektrum dieser wilden Schönheit ein – türkis, weiß, grün, und irgendwo dazwischen dieses unbeschreibliche Gefühl von Freiheit. Ein Panoramaflug von einem Ende zum anderen, ein paar perfekte Shots fürs Archiv und natürlich ein Clip für Robins Instagram-Account. Es war einer dieser Momente, in denen man weiß: Das hier, das bleibt hängen.
Der ehrliche Tipp zum Schluss
Wer sich auf Police Bay einlässt, sollte nichts erwarten – außer Ehrfurcht. Keine Toiletten, keine Getränke, keine Sonnenschirme. Nur Natur. Und vielleicht ein Hauch von Freiheit, der so ehrlich ist, dass er fast weh tut.
Oder wie ein Einheimischer sagte, als ich nach dem Weg fragte:
„Just go until the road stops – then you’ll find peace.“
Er hatte recht. Und vielleicht meinte er gar nicht nur den Ort.
– ein Spaziergang durch die Ruinen
Das nächste Kapitel dieses Urlaubstages beginnt – wie so oft – mit einem inneren Streitgespräch. Soll man wirklich mitten im Paradies nach einem verlassenen Gefängnis suchen? Zwischen Palmen, türkisblauem Wasser und kreischenden Tropenvögeln – ausgerechnet dort, wo andere ihre Flitterwochen verbringen? Nun ja, wer einmal beginnt, den verborgenen Geschichten der Seychellen nachzuspüren, der findet keine Ruhe mehr.
Also zurück zur Weggabelung (ja, die, die ich auf der Karte markiert habe – man weiß ja nie) und dann mit unserem tapferen, leicht klapprigen Kwippy hinein in die grüne Wildnis. Die Straße endet so abrupt, als hätte sie selbst beschlossen, dass Zivilisation ab hier überbewertet ist. Kein Schild, kein Zaun, nur ein Gefühl, dass irgendwo da draußen etwas Vergessenes liegt.
Ein paar hundert Meter zurück: links ein Felsen, davor eine unscheinbare Gedenktafel. Dahinter ein Pfad – schmal, feucht, geheimnisvoll. Perfekt. Also hinein. Der Dschungel umarmt uns mit tropischer Feuchtigkeit, die Haare kleben, die Mücken feiern – und nach wenigen Minuten tauchen die ersten Mauerreste auf. Überwuchert, gebrochen, aber voller Geschichten. Als würden sie flüstern: „Du bist nah dran, Fremder.“
Und dann – plötzlich – stehen wir mittendrin: dem Lost Prison von Police Bay.
Wo einst Gitter rasselten
Es ist still. Nur das Zirpen der Zikaden, das leise Rauschen des Meeres in der Ferne und das gelegentliche Knacken trockener Äste. Zwischen den Bäumen ragen graue Betonwände hervor, von Lianen umschlungen, die sich um alte Gitterreste winden wie eine Naturversion von Stacheldraht. Ein kleiner Mungo huscht vorbei, schaut kurz irritiert – wahrscheinlich denkt er, wir seien die neuen Wärter – und verschwindet wieder ins Dickicht.
Ein verbeultes Eingangstor mit verblasstem Graffiti führt in einen Hof, in dem einst Zellen standen. Manche Mauern halten noch stand, andere sind längst in sich zusammengesackt. Sonnenstrahlen fallen durch Blätter und Gitter, als wolle die Natur zeigen, wie schön Verfall sein kann.
Robin steht auf einem offenen Platz und inszeniert – ganz in seiner Art – einen imaginären Prison Rave. Arme in der Luft, Beats im Kopf, das Publikum unsichtbar, aber begeistert. Ich muss lachen. Vielleicht hat er recht – der Ort hat tatsächlich etwas Rhythmisches, fast Musikalisches.
Wenn Stille Geschichten erzählt
Einige Türen stehen offen, andere sind fest verriegelt – als wüsste das Gefängnis selbst, welche Erinnerungen es preisgeben darf. Ich stelle mir vor, wie es hier einst klang: Befehle, Schritte auf Beton, das metallische Klirren von Schlüsseln. Jetzt nur Wind, Blätter und das ferne Meer.
Es riecht nach Erde, Salz und Vergangenheit. Ich bleibe stehen, lege die Hand auf die kühle Wand. Ein Ort, der einst Kontrolle bedeutete, ist heute ein stilles Monument der Freiheit geworden – ironisch, wie schnell die Rollen sich ändern.
Und während ich zurück zum Pfad gehe, denke ich: Vielleicht braucht jedes Paradies auch seine Schattenseiten. Damit das Licht ein bisschen heller scheint.

Roadtripp: Von Beau Vallon zur Police Bay
Die Anfahrt von Beau Vallon über Victoria zieht sich mal wieder – für schlappe 36 Kilometer veranschlagt das Navi rund anderthalb Stunden. Und das ist, wie sich herausstellt, fast schon optimistisch. Der Weg dorthin ist schon ein kleines Abenteuer: Die Straße wird schmaler, bekommt tiefe Absätze am Straßenrand, der Asphalt bröckelt – und irgendwann hört selbst das Navi auf zu glauben, dass du weißt, was du tust. Stattdessen übernehmen Vögel, Wellenrauschen und gelegentlich ein misstrauischer Gecko die Navigation.

Roadtripp: Das Lost Prison
An einer Weggabelung (ich habe sie auf der Karte markiert) und dann mit unserem treuen Kwippy hinein in die grüne Wildnis, bis die Straße abrupt endet – als hätte sie selbst beschlossen, dass es hier genug sei. Keine Koordinaten, kein Schild, nur die Ahnung, dass irgendwo da draußen etwas Vergessenes liegt. Ein paar hundert Meter zurück entdecke ich links einen Felsen mit einer unscheinbaren Gedenktafel. Dahinter ein Trampelpfad – schmal, feucht, geheimnisvoll. Erst zögerlich, dann mit wachsender Abenteuerlust folgen wir ihm.
Die Debatte um das Gelände
Weniger paradiesisch, dafür umso menschlicher war das, was danach geschah: Irgendwann in den frühen 2000ern stand das Gelände tatsächlich zum Verkauf – 90 Hektar tropische Wildnis inklusive Ruinen. Ein Immobilienangebot, das irgendwo zwischen Größenwahn und Tropenkomödie pendelte.
Man stelle sich vor: Infinity-Pool mit Blick auf Stacheldrahtreste, Cocktailbar im Zellentrakt, „Detox & Detention“-Wellnesspaket. Der Wahnsinn hatte kurz ein Preisschild.
Zum Glück blieb es bei der Idee. Heute steht das Areal unter Naturschutz. Die Lagune von Grand Police ist Brutstätte seltener Seevögel und Meeresschildkröten. Zwischen all den Stimmen, die nach „Entwicklungspotenzial“ rufen, hat sich die Natur einfach durchgesetzt – leise, beharrlich und ohne Investorenpitch. Sie hat gewonnen.
Wie du den Ort findest (wenn du ihn überhaupt finden solltest)
Kein Schild, kein Parkplatz, kein Touri-Lächeln. Wer das verlassene Gefängnis sucht, muss es sich verdienen.
Starte am besten bei Anse Forbans oder Anse Royale und folge der alten Piste Richtung Süden. Nach etwa 45 Minuten Fußmarsch – gerade, wenn du glaubst, dich verlaufen zu haben – tauchen rechts zwischen Farn, Bambus und uralten Wurzeln die ersten Mauern auf.
👉 Tipp: Gutes Schuhwerk, Wasser und Mückenspray sind Pflicht. Und ein Schuss Abenteuerlust – der Weg ist stellenweise mehr „Indiana Jones mit Sonnenstich“ als gemütlicher Spaziergang.
Wenn du dann vor den bröckelnden Mauern stehst, spürst du sofort: Hier hat das Meer die Wände schon halb verschluckt, und die Natur hat das Hausrecht übernommen. Vögel nisten, wo früher Menschen auf Betonpritschen lagen. Der Wind zieht durch die Gitter wie ein letzter Rest vergessener Stimmen.
Mein Fazit
Das verlassene Gefängnis von Police Bay ist kein Ort für die Bucket List, kein Instagram-Hotspot mit Pastellfilter und Flamingo-Handtuch. Es ist ein Ort, der dich ansieht, auch wenn du wegschaust.
Ein Ort, an dem Beton, Salz und Zeit ein stilles Gespräch führen – und du nur zufällig mithörst.
Ich habe ihn mit einem seltsamen Gefühl verlassen: einer Mischung aus Ehrfurcht, Melancholie und Fernweh.
Die Seychellen sind voller Postkartenidylle – türkis, perfekt, unantastbar. Aber hier, im Süden von Mahé, erzählt das Paradies eine andere Geschichte. Eine, in der Schönheit und Vergänglichkeit dieselbe Sprache sprechen.
Und ganz ehrlich: Diese Schattenseite steht ihm verdammt gut.
Erlebe Mahés ungezähmte Seite: Nebelpfade am Morne Blanc, einsame Strände an der Police Bay und das vergessene Gefängnis im Süden der Seychellen. Zwischen Tropenwald, Wellen und Lost Place – 10 faszinierende Fakten voller Abenteuer, Empathie und Fernweh.
🌊 Police Bay – Paradies mit Wellen und Warnschild
Police Bay gilt als einer der schönsten Strände der Seychellen – und einer der gefährlichsten. Die Strömung hier ist so stark, dass selbst erfahrene Schwimmer sie meiden. Perfekt zum Staunen, Fotografieren – und zum Nicht-Baden.
Am südlichsten Punkt Mahés gelegen, ist Police Bay weitgehend unerschlossen. Kein Café, keine Liegen, kein WLAN. Nur Wind, Wellen und Weite – das Internet des 19. Jahrhunderts.
Zwischen Dezember und März kommen hier Karett- und Suppenschildkröten zum Nisten an Land. Wer Glück hat, sieht sie nachts im Mondlicht – ein Erlebnis, das jedes Resortbuffet alt aussehen lässt.
🧱 Das verlassene Gefängnis von Police Bay – Mahés vergessener Ort
Das Gefängnis wurde in den 1960ern gebaut und nur wenige Jahre genutzt. Danach übernahm die Natur das Kommando. Heute erinnert es an einen tropischen Lost Place mit morbidem Charme und kolonialem Nachhall.
Wer hierher will, muss zu Fuß durch dichten Dschungel. Keine Schilder, kein Wegweiser – nur das Gefühl, etwas zu finden, das man vielleicht gar nicht finden sollte.
Zwischen bemoosten Mauern, überwachsenen Gitterfenstern und Wurzelgeflecht erkennt man noch, was hier einmal war – eine Mischung aus Strafanstalt und tropischer Tragödie. Heute sind die einzigen Insassen: Wind, Vögel und Erinnerungen.

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