Morne Blanc Trail Schweiß, Wurzeln und keine Aussicht
Manchmal reicht eine Insel, um zu verstehen, was Leben im Kern bedeutet. Mahé hat dieses Talent. Nicht aufdringlich, nicht belehrend, sondern eher so nebenbei, während man schwitzt und sich fragt, warum man freiwillig bergauf läuft. Der Weg nach oben beginnt meist mit Euphorie. Frische Motivation, fester Schritt, noch genug Luft für große Gedanken. Der Morne Blanc Trail macht da nicht lange mit. Nach wenigen Minuten übernimmt der Dschungel das Kommando.


Zwischen Gipfelblick und Nebelschwaden
Wurzeln liegen quer wie Stolperfallen, der Boden ist rutschig, die Steigung ehrgeizig. Die Luft hängt schwer zwischen den Bäumen, feucht und warm, fast schon persönlich. Es fühlt sich an wie eine Umarmung der Natur, nur eben ohne Zustimmung und ohne Ausweg. Jeder Schritt fordert Aufmerksamkeit, jeder Atemzug erinnert daran, dass Komfort hier kein vorgesehenes Feature ist. Der Körper arbeitet, der Kopf wird still. Irgendwann bleibt nur noch dieses einfache Prinzip: einen Fuß vor den anderen setzen.
Und genau darin liegt der Reiz. Keine Ablenkung, kein Schnickschnack. Der Weg zwingt zur Präsenz. Gedanken über Termine, Alltag und all das übliche Gedankengeraffel lösen sich zwischen Farnen und Moos langsam auf. Übrig bleibt Konzentration und dieses leise, leicht genervte Staunen darüber, wie schnell man sich selbst unterschätzt.
Oben, sofern Wetter und Laune der Insel es zulassen, öffnet sich der Blick. Kein lautes Spektakel, eher ein stilles Einvernehmen. Grün bis zum Horizont, Meer in allen denkbaren Blautönen, Wolken, die kommen und gehen, als hätten sie keinen Zeitplan. Das Panorama wirkt nicht wie eine Belohnung, sondern wie eine sachliche Feststellung: Ja, es hat sich gelohnt. Und nein, man hätte das nicht abkürzen können.
In diesem Moment ist klar, dass Mahé keine Insel für Eilige ist. Sie lässt sich nicht konsumieren, nicht abhaken. Sie verlangt Einsatz, Schweiß und eine gewisse Bereitschaft, sich auf Unbequemlichkeit einzulassen. Wer das tut, bekommt keine große Erkenntnis serviert. Nur dieses tiefe, ruhige Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein. Für einen Augenblick zumindest.
Ein Kilometer hin, ein Kilometer zurück, 200 Meter nach oben und wieder runter. Klingt doch harmlos, oder? So stand es zumindest auf dem Schild. „Machbar“, dachte ich, „ein kleiner Spaziergang mit Aussicht.“ Tja – Spoiler: Der Morne Blanc hat andere Pläne.
Wurzeln, Felsen und der charmante Dschungel-Widerstand
Statt aus Stein gehauener Stufen oder netter Holzstege erwartet einen ein Aufstieg zwischen rutschigen Felsen und verschlungenen Wurzeln – eine Art natürlicher Hindernisparcours mit tropischer Luftfeuchtigkeit als Bonuslevel. Diese Wurzeln haben allerdings eine erstaunliche Ästhetik: Sie wirken, als wollten sie den Waldboden zärtlich umarmen, während sie uns gleichzeitig mit schelmischem Grinsen ein Bein stellen. Man redet sich das gern schön – vielleicht, um die schweißnasse Realität etwas zu übertönen. Nach den ersten 300 Metern klingt das Atmen eher wie das rhythmische Fauchen eines überforderten Teekessels. Und während man versucht, nicht auf feuchten Moosmatten auszurutschen, kommt da wieder dieses Schild: alle 200 Meter. Immerhin eine kleine moralische Unterstützung. Es signalisiert: Ja, du bist noch auf dem richtigen Weg.
Gefühlt vergehen von Schild zu Schild jedoch Stunden. Man beginnt, sich zu fragen, ob das hier noch Wandern ist oder schon eine spirituelle Prüfung. Aber irgendwo zwischen Wurzelgeflecht, Felsbrocken und dem eigenen pochenden Puls passiert etwas Wundersames: Man wird ruhig. Der Dschungel summt, die Luft riecht nach Leben, und plötzlich versteht man, warum man das alles macht. Wegen genau diesem Moment – wenn der Schweiß rinnt, der Atem flackert, und man trotzdem grinst, weil man mitten im Paradies steckt.
Was wie ein leichter Hügelspaziergang klang, entpuppte sich als ehrliche Herausforderung: steil, feucht, glitschig – und das bei 28 Grad und tropischer Luftfeuchtigkeit. Wer meint, er sei auf der schwäbischen Alb schon ordentlich Höhenmeter gelaufen, wird hier eines Besseren belehrt. Der Dschungel von Mahé spielt in einer eigenen Liga.
Auf dem Weg zum Morne Blanc – Zwischen Tropenidyll und Geduldstraining
Unsere Route zum Morne Blanc Trail startet – wie könnte es anders sein – an unserem kleinen Paradies am Beau Vallon Beach. Von dort sind es laut Karte schlappe 13 Kilometer bis zum Beginn des Trails. „Ein Klacks!“, denkt man. Tja – bis man die Realität seychellischer Straßen und Fahrgewohnheiten kennenlernt. Die Straße windet sich in gefühlten tausend Kurven den Hang hinauf, begleitet von einem Rhythmus aus Bremse, Gas und gelegentlichem Vogelgezwitscher. Die Seychelleros fahren so gemütlich, als hätte die Zeit hier längst Urlaub genommen – was auf eine gewisse Weise ja auch beneidenswert ist.
Oberhalb von Victoria eröffnet sich ein fantastischer Blick auf die Hauptstadt und die funkelnde Bucht – ein Anblick, der die Geduld im Schneckentempo wieder wettmacht. Hier oben spürt man schon dieses gewisse Kribbeln: Das Meer wird kleiner, die Luft frischer, das Abenteuer größer.
Parkplatzlotterie im Dschungel
Hat man den Einstieg zum Trail endlich erreicht, folgt die nächste Challenge: das Parken. Wenn das Glück einem hold ist (und die Seychellen-Götter gerade gute Laune haben), findet man direkt an der Straße einen der raren Parkplätze. Falls nicht – keine Panik. Ein paar hundert Meter weiter, gegenüber der Einfahrt zur Teefabrik, gibt’s einen kleinen Parkplatz. Perfekt als Ausgangspunkt – und mit etwas Glück sogar schattig.
Erlebe Mahés ungezähmte Seite: Nebelpfade am Morne Blanc. Zwischen Tropenwald, Wellen und Fakten voller Abenteuer, Empathie und Fernweh.
🏔️ Morne Blanc Trail – Nebel, Höhen und Herzklopfen
Der Gipfel des Morne Blanc (667 m) ist einer der spektakulärsten Aussichtspunkte Mahés – wenn man ihn sieht. Oft liegt er im Nebel. Wer Glück hat, steht plötzlich über einem wogenden Wolkenmeer – und fühlt sich wie in einer schlecht programmierten Traumsequenz.
Der Trail verläuft über ehemalige Teeplantagen. Die alten Teehäuser und halb verfallenen Terrassen erinnern daran, dass Mahé früher ein florierendes Teeanbaugebiet war. Heute wächst hier vor allem Moos, Bambus – und das Fernweh.
Der Weg ist offiziell „moderat“, fühlt sich aber bei 30 Grad und 90 % Luftfeuchtigkeit eher nach „Survival Edition“ an. Wer oben ankommt, hat sich das Selfie ehrlich verdient.
Je höher man steigt, desto intensiver wird der Duft von feuchtem Holz, Farn und Wildorchideen. Es ist, als würde der Wald versuchen, dich zu umarmen – während du versuchst, nicht zu keuchen.

Nord Schwarzwald - die Mineralwasser Tour












