Zum Hauptinhalt springen

Songkran in Thailand

Phimai mein erstes Reiseziel im Nordosten

Man reist nach Thailand und denkt, man hat alles im Griff. Dann kommt Phimai. Nach einer Nacht voller tropischem Regen begrüßt einen plötzlich strahlender Sonnenschein, als wäre nichts gewesen. Klingt harmlos, bis man um 11 Uhr rausgeht und merkt, dass man selbst zur Beilage der Sonne wird. Eine kleine Runde, ein großer Kampf gegen die Hitze und am Ende gewinnt doch der Jetlag. Drei Stunden später wacht man auf und weiß: Jetzt ist man wirklich angekommen.

Reiseblog24 | Phimai mein erstes Reiseziel im Nordosten

Thailand

Songkran in Thailand
Zwischen Regenchaos und tropischer Realität – mein erster Tag in Phimai

Die Nacht davor hatte noch alles gegeben: tropischer Regen, der eher nach Weltuntergang als nach „Ankommen“ klang. Ich war mir ziemlich sicher gewesen, dass mich am nächsten Morgen ein grauer, nasser Tag begrüßen würde. Stattdessen stand ich da, blinzelte in eine Sonne, die so tat, als hätte sie mit dem ganzen Drama nichts zu tun. Thailand eben. Erst Chaos, dann Postkartenidylle, als wäre nichts gewesen.

Also gut. Jetlag? Weg damit. Irgendwo ins persönliche Nirvana verschoben, wo er mich bitte später wieder nerven darf. Nach einem erstaunlich soliden englischen Frühstück im Hotel ging es raus nach Phimai. Erste Schritte, erste Eindrücke, dieses leise Gefühl von „Jetzt bin ich wirklich hier“.

Und dann kam die Realität. Punkt eins meiner frisch aufgefrischten Lebenserfahrung: Wer in Thailand ausschläft und erst nach 11 Uhr rausgeht, hat die Kontrolle über sein Leben zumindest temperaturtechnisch verloren. Es war nicht einfach nur warm. Es war diese Art von Hitze, die sich nicht diskutieren lässt. Die Sonne hing über mir wie ein übermotivierter Grillmeister und ich war… nun ja, das Grillgut.

Eine kleine Runde um den Süßwassersee musste trotzdem sein. Bewegung fürs Gewissen, Eindrücke fürs Herz. Die Stadt wirkte ruhig, fast gelassen, während ich innerlich langsam zerfloss. Der Rückweg ins Hotel hatte dann schon etwas von einer sehr persönlichen Expedition – Ziel: Klimaanlage. Überleben optional, aber wünschenswert.

Und dann Punkt zwei, den man eigentlich kennt und trotzdem jedes Mal ignoriert: Nach elf Stunden Flug und einer inneren Uhr, die irgendwo zwischen Europa und völliger Orientierungslosigkeit hängt, entscheidet nicht der Kopf, wann Pause ist. Sondern der Körper. Und der hat eine ziemlich klare Meinung.

Ich wollte mich nur kurz hinlegen. Zehn Minuten. Wirklich. So ein klassisches „Augen zu, einmal durchatmen“. Drei Stunden später bin ich wieder aufgewacht. Tiefschlaf, komplett aus dem Leben geschossen, als hätte jemand einfach den Stecker gezogen.

Phimai hat mich an diesem ersten Tag freundlich empfangen. Und gleichzeitig sehr deutlich daran erinnert, dass ich hier nicht den Takt angebe. Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Reise wirklich beginnt.

Thema: Songkran in Thailand
Autor: Michael Lieder
Aktualisiert: 19. März 2026
126 Aufrufe
Beitrag davor:

Songkran in Thailand

Wenn der Tag endlich mitspielt – unterwegs rund um Phimai

Am späten Nachmittag hatte die Sonne dann plötzlich so etwas wie Gnade. Sie zog sich leicht zurück, versteckte sich hinter fast schon kitschig weißen Wolken, die den Himmel dekorierten, als hätte jemand den Kontrastregler zu hoch gedreht. Und ich? Deutlich besser vorbereitet als noch am Vormittag. Man lernt ja. Meistens zumindest.

Also rein ins Auto und raus aus der Stadt. Ziel: diese Banyan Trees, von denen man hier hört. Realität: ein Parkplatz, der mehr versprach als er halten konnte, und ein Gelände, das eher so wirkte, als wolle es seine Ruhe haben. Manchmal ist das eben auch eine Botschaft. Also Plan B. Und der fühlt sich auf Reisen oft sowieso besser an.

Einfach losfahren. Dem Moon River folgen. Schauen, was kommt.

Die Landschaft hier draußen wirkt weit und ruhig, fast entspannt. Felder ziehen sich bis zum Horizont, unterbrochen von kleinen Wäldern, die genau genug Geheimnis haben, um interessant zu bleiben. Dazwischen immer wieder Wasser: kleine Flüsse, Kanäle, hier und da mit Staustufen, die sich leise in die Umgebung einfügen. Nichts Spektakuläres. Und genau deshalb so gut.

Die Straßen sind überraschend gut ausgebaut, fast schon zu gut für diese Ruhe. Mitten in der Woche fährt hier kaum jemand. Kein Stress, kein Drängeln, nur dieses gleichmäßige Rollen durch eine Gegend, die keinen Eindruck davon macht, als müsste sie sich beweisen.

Irgendwann einfach angehalten. Ein Stück am Fluss entlanggelaufen. Kamera raus, ein paar Bilder eingefangen, während Lotusblumen scheinbar völlig unbeeindruckt vor sich hin treiben und blühen. Dieses langsame, stille Leben, das hier einfach passiert, ohne dass jemand es kommentieren muss.

Und irgendwo zwischen zwei Fotos kommt dieser Gedanke ganz von selbst: In Tübingen sind es gerade vielleicht sechs Grad. Grau, kalt, wahrscheinlich eher ungemütlich. Hier dagegen warme Luft, leises Wasser, ein Himmel wie gemalt.

Phimai Historical Park

Ein kleiner Vorgeschmack auf große Geschichte

Zurück in der Stadt zog es mich in den Historical Park von Phimai. Im Reiseführer wurde das Ganze ziemlich selbstbewusst als Blaupause für Angkor Wat angepriesen. Große Worte für eine eher ruhige Provinzecke. Aber genau deshalb wollte ich sehen, was dahintersteckt, bevor es später zu den ganz großen Tempeln geht.

Der Eintritt sollte eigentlich 200 Baht kosten. Sollte. Ich wurde einfach durchgewunken, als hätte ich hier Stammgaststatus oder zumindest ein überzeugendes Gesicht für spontane Großzügigkeit. Also rein in die Vergangenheit, ganz ohne Ticket und mit diesem kleinen Gefühl, gerade ein Bonuslevel freigeschaltet zu haben.

Die Tempelanlage selbst hat mich dann ziemlich schnell eingefangen. Weite Flächen, massive Steinstrukturen und diese ruhige, fast stoische Ausstrahlung, die alte Orte manchmal haben, wenn sie sich nicht mehr beweisen müssen. Das Wetter spielte dabei fast schon zu gut mit. Blauer Himmel, ein paar dekorative Wolken und Licht, das die roten Steine genau so getroffen hat, dass es fast kitschig wirkte. Ich stand da, Kamera in der Hand, und dachte kurz, dass man sich für solche Momente eigentlich gar nicht rechtfertigen muss.

Der Regen vom Vortag hatte übrigens ganze Arbeit geleistet. Alles wirkte sauber, frisch und irgendwie lebendiger. Das Grün leuchtete, die Wege waren frei von Staub und die Ruinen hatten diesen leichten Glanz, als hätten sie sich extra herausgeputzt. Manchmal ist schlechtes Wetter eben nur die Vorbereitung für einen richtig guten Tag.

Zwischen den schweren roten Steinwänden und den langen Säulengängen ließ es sich wunderbar treiben. Diese Mischung aus Größe und Ruhe hat etwas Eigenes. Und dann, ganz nebenbei, stellte sich heraus, dass das Timing fast perfekt war. Auf dem Rückweg kamen mir zwei Doppeldeckerbusse voller Schulkinder entgegen. Innerhalb von Minuten wurde aus stiller Geschichte ein ziemlich lebendiger Ort.

Ich war also genau rechtzeitig da. Einmal durchatmen, einmal staunen, einmal den Moment mitnehmen und dann weiterziehen, bevor aus der ruhigen Tempelanlage ein Pausenhof mit antikem Hintergrund wird. Genau so mag ich das.

Phimai bei Nacht

Zwischen Neugier, Hunger und leichtem Kulturschock

Der Abend stand vor der Tür und irgendwann fiel mir auf, dass mein Körper heute bislang eher symbolisch versorgt wurde – ein Frühstück hier, ein Eis dort, mehr war da nicht. Also die einzig logische Konsequenz: ab zum Nachtmarkt in Phimai. Essen suchen. Oder zumindest herausfinden, was hier so alles als Essen durchgeht.

Der Markt öffnet offenbar täglich von etwa 16 bis 20 Uhr, und ich bin ziemlich punktgenau hineingestolpert – zur besten Zeit, wenn alles lebt, dampft und brutzelt. Nach einer Weile ohne Marktbesuche fühlt sich das fast ein bisschen an wie nach Hause kommen. Nur eben… anders.

Phimai zeigt sich dabei angenehm unverstellt. Kein aufpolierter Touristenzirkus, keine Speisekarten auf Englisch, keine vorsichtigen Annäherungsversuche an westliche Geschmäcker. Stattdessen ein Markt, der einfach Markt ist. Und mittendrin ich. Der einzige Ausländer weit und breit. Ein Zustand, der offenbar auf Gegenseitigkeit beruht: Ich schaue – und werde genauso interessiert angeschaut. Fairer Deal.

Ich schlendere also durch die Reihen, lasse mich treiben, bleibe stehen, gehe weiter, bleibe wieder stehen. Erst schaue ich, dann probiere ich. Irgendwann stellt sich so etwas wie Sättigung ein, zumindest genug, um nicht hungrig zurück ins Hotel zu müssen.

Was diesen Markt besonders macht, ist seine Ehrlichkeit. Hier liegt nichts versteckt. Alles ist sichtbar. Roh, gekocht, gegrillt oder frittiert – und wenn ich „alles“ sage, dann meine ich das ziemlich wörtlich. Neben eher harmlosen Insekten finden sich frisch zerlegte Frösche, sorgfältig marinierte Schlangen und Tiere, bei denen man kurz innehält und sich fragt, ob man wirklich wissen möchte, wie sie auf dem Teller landen. Es wirkt manchmal wie ein Anatomieunterricht unter freiem Himmel – nur dass das hier kein Lehrbuch ist, sondern Abendessen.

Und genau an diesem Punkt setzt eine gewisse Demut ein. Man muss nicht alles probieren. Wirklich nicht. Aber zu sehen, wie unterschiedlich Menschen essen, leben und ihre Umgebung nutzen, ist vielleicht genau der Moment, in dem Reisen mehr wird als nur Ortswechsel. Es kratzt an der eigenen Komfortzone, ohne sie gleich einzureißen.

Am Ende gehe ich satt, leicht nachdenklich und ein bisschen amüsiert zurück. Und zwischen gegrilltem Spieß und frittiertem Unbekannten bleibt die Erkenntnis hängen: Abenteuer beginnt manchmal genau da, wo man kurz überlegt, ob man wirklich hinsehen will – und es dann trotzdem tut.

Ein Ort, der leise unter die Haut geht

Phimai ist so eine Kleinstadt, die sich nicht aufdrängt. Kein großes Spektakel, kein „Schau mich an“-Getue. Stattdessen schleicht sie sich einfach in den Kopf – und bleibt dort hängen. An einem einzigen Tag lässt sich hier erstaunlich viel entdecken, ohne dass es sich jemals nach Stress anfühlt. Man läuft los, bleibt irgendwo stehen, schaut ein bisschen länger als geplant – und merkt plötzlich, dass man sich nicht wie ein Besucher fühlt, sondern eher wie jemand, der schon ein paar Geschichten mit diesem Ort teilt.

Große Hotelanlagen mit Poollandschaften und Daueranimation sucht man hier vergeblich. Und das ist ehrlich gesagt auch gut so. Phimai lebt von seinen kleinen, unkomplizierten Unterkünften – Orte, die nicht perfekt geschniegelt sind, dafür aber genau das bieten, was man unterwegs eigentlich sucht: ein Gefühl von Ankommen. Und dieses leise, fast nervige Gefühl beim Weiterziehen, dass man eigentlich noch bleiben könnte.

Vom Hotel aus war alles problemlos zu Fuß erreichbar. Keine Hektik, kein Planungswahnsinn. Einfach losgehen. Hier ein kurzer Stopp, dort ein kaltes Getränk, zwischendurch ein Besuch im 7-Eleven, der in Thailand irgendwie immer gleichzeitig banal und beruhigend ist. Snacks einsammeln, Wasser nachfüllen, kurz durchatmen – und weiter.

Meine Wahl fiel auf das Phimai Paradise Boutique Hotel. Ein Name, der erst einmal nach mehr klingt, als man erwartet. Aber genau das macht es dann so sympathisch. Das Zimmer war großzügig, die Klimaanlage lief zuverlässig – was in dieser Region nicht nur ein Detail, sondern fast schon ein Überlebenskonzept ist. Stilistisch irgendwo zwischen Boutique und leicht industriellem Charme angesiedelt, ohne sich dabei zu wichtig zu nehmen.

Was wirklich hängen bleibt, ist aber wie so oft nicht das Design, sondern die Menschen. Freundlich, aufmerksam, unaufgeregt herzlich. Nichts Aufgesetztes, kein einstudiertes Lächeln. Einfach ehrlich. Dazu alles blitzsauber – und plötzlich merkt man, dass es genau diese Mischung ist, die einen Ort besonders macht.

Phimai ist kein Ort für große Inszenierungen. Es ist eher so ein leiser Zwischenstopp, der sich unerwartet wie ein kleines Zuhause anfühlt. Und genau deshalb bleibt er im Kopf. Unauffällig. Hartnäckig. Und irgendwie ziemlich schön.

Powered by GetYourGuide
Den Isaan im Nordosten Thailands erleben

 10 gute Gründe, warum der Isaan eine verdammt gute Reise-Entscheidung ist (und warum du dich drauf einlassen solltest)

Isaan ist kein „Rest von Thailand“

Isaan fühlt sich weniger nach Postkarte an und mehr nach echtem Alltag. Genau das ist der Reiz. Ich gehe mit der Haltung rein: nicht „Was kann ich hier abhaken?“, sondern „Was kann ich hier verstehen?“. Das Tempo ist langsamer, die Leute direkter, die touristische Bühne kleiner. Wenn ich mit westlichen Erwartungen komme (perfekt organisiert, englische Beschilderung, „Highlights“ im 30-Minuten-Takt), werde ich genervt. Wenn ich mir Raum lasse, wird’s groß. Ein Marktbesuch am Morgen, ein kurzer Plausch am Straßenrand, ein spontaner Stopp an einem Tempel, den niemand auf Instagram kennt: Isaan belohnt Neugier, nicht Planungsexzesse. Und ja, manchmal wirkt es „unspektakulär“. Bis man merkt, dass genau dort die Geschichten wohnen.

Essen: der schnellste Weg ins Herz des Isaans

Isaan-Küche ist ehrlich, scharf und ziemlich gut darin, Egos zu testen. Som Tam, Larb, Gai Yang, Sticky Rice: Wenn ich so esse wie die Locals, lerne ich schneller als mit jedem Reiseführer. Ich starte vorsichtig mit der Schärfe und steigere mich. Wichtig: „Phet nid noi“ hilft, „mai phet“ wird manchmal ignoriert, weil man dir nicht glaubt. Streetfood-Regel: wo viel los ist, ist es frisch. Ich schaue, wie sauber gearbeitet wird, ob Fleisch heiß durchgegart ist und ob Eis aus sauberer Quelle wirkt. Wer Abenteuer will, kann Insekten probieren. Wer es klug will, nimmt Elektrolyte ins Gepäck und trinkt genug. Isaan ist kulinarisch ein Volltreffer, wenn man’s nicht wie Mutprobe behandelt.

Fortbewegung: mit dem Mietwagen wird’s echt

Isaan ist weit. Busse fahren, aber nicht immer so, wie man es sich als Mensch mit Uhr wünscht. Wenn ich flexibel sein will, ist ein Roller oder Mietwagen Gold wert. Roller nur mit Helm, und ja: auch „nur kurz“ zählt. Straßen können gut sein oder plötzlich aussehen wie ein Experiment mit Schlaglöchern. Ich plane Strecken konservativ, fahre tagsüber, tanke früh und halte Bargeld bereit. Nachts fahren? Lieber nicht. Auf dem Land sind Hunde, schlechte Beleuchtung und Überraschungen ein Trio, das niemand braucht. Wer ohne eigenes Fahrzeug reist: Songthaews und Minivans funktionieren, aber man muss Geduld mitbringen. Isaan ist nicht kompliziert, nur nicht auf Touristenkomfort getrimmt.

Märkte & Morgenstunden: da passiert das echte Leben

Wenn ich Isaan nur mittags in der Hitze „besichtige“, verpasse ich das Beste. Früh morgens sind die Märkte lebendig, die Temperatur gnädig und die Fotomotive top. Ich liebe diese Mischung aus Gemüsebergen, gegrilltem Huhn, Nudelsuppen und diesem ruhigen „Wir machen das jeden Tag“-Flow. Ich kaufe Kleinkram, probiere Dinge, frage nach Namen, zeige auf Zutaten. Ein Lächeln wirkt hier besser als jede App. Und: Märkte sind der perfekte Ort, um zu merken, wie regional Thailand eigentlich ist. Bangkok ist nicht Thailand, Chiang Mai ist nicht Thailand, und Isaan erst recht nicht. Wer Isaan verstehen will, sollte mindestens einen Morgenmarkt ohne Zeitdruck einplanen.

Tempel abseits der Massen: weniger Goldglanz, mehr Atmosphäre

Isaan hat Tempel, die nicht für Touristen gebaut wurden. Das merkt man sofort: weniger Selfie-Drama, mehr echte Andacht. Ich gehe respektvoll rein, Schultern und Knie bedeckt, leise, nicht wie in einem Museum. Viele Anlagen sind großflächig, mit Stupas, Naga-Skulpturen, kleinen Schreinen und Mönchen, die einfach ihr Ding machen. Wenn ich fotografiere, frage ich bei Menschen lieber kurz per Blick oder Geste. Und ich plane Tempelbesuche gern am frühen Morgen oder späten Nachmittag, wenn das Licht weich ist und die Stimmung passt. Isaan-Tempel sind keine „Angkor-Alternative“. Sie sind ihr eigenes Universum, ruhiger und oft überraschend schön.

Sprache: ein bisschen Thai bringt dir sehr viel

Isaan hat Lao-Einflüsse, eigene Wörter, eigenen Tonfall. Du musst nicht fließend sprechen, aber ein paar Sätze öffnen Türen. Ich nutze Basics: Hallo, Danke, lecker, nicht scharf, wie viel kostet das, wo ist… Dazu Zahlen, damit man Preise versteht. Der Trick: nicht perfekt sein, sondern bemüht. Viele Menschen reagieren warm, wenn du versuchst, nicht alles in Englisch zu pressen. Und wenn du nur lächelst und freundlich bleibst, wird aus „Kommunikationsproblem“ oft ein gemeinsames Gelächter. Das ist im Isaan fast schon eine Währung. Wer hier menschlich reist, bekommt menschliche Antworten.

Homestays & Dorfleben: Nähe statt Showprogramm

Wenn ich wirklich eintauchen will, suche ich Homestays oder kleine Gästehäuser, nicht die standardisierten Resorts. Dorfleben ist kein „Event“, sondern Alltag. Genau deshalb fühlt es sich echt an. Ich respektiere Privatsphäre, ich dränge mich nicht auf und ich nehme Einladungen dankbar, aber nicht gierig an. Kleine Geschenke aus dem Markt oder Snacks sind eine nette Geste. Und ich akzeptiere, dass ich nicht alles verstehe. Manchmal ist Beobachten besser als Fragen. Wer abends mit der Familie am Tisch sitzt und Sticky Rice teilt, merkt schnell: Das Abenteuer ist nicht immer Offroad. Manchmal ist es einfach Nähe, die man sich sonst nicht gönnt.

Wasserfälle, Nationalparks, aber bitte mit Realitätssinn

Isaan hat Natur, die unterschätzt wird: Nationalparks, Aussichtspunkte, Höhlen, Wasserfälle. Aber: saisonabhängig. In der Trockenzeit sind Wasserfälle manchmal eher „Wasser-Andeutung“. In der Regenzeit wird’s grün, aber Wege können rutschig und Flüsse kräftig sein. Ich nehme feste Schuhe, Wasser, Mückenschutz, und gehe nicht blindlings allein irgendwo rein, nur weil es auf der Karte schön aussieht. Die besten Spots sind oft die, die Locals empfehlen, nicht die, die am lautesten beworben werden. Und ich lasse die Natur in Ruhe: kein Müll, kein Klettern auf heiligen Felsen, kein „für das Foto“ irgendwas kaputt machen. Isaan ist robust, aber nicht unendlich geduldig.

Feste & Abende: Isaan kann laut, herzlich und sehr lustig

Wenn irgendwo Musik läuft, lohnt es sich hinzuschauen. Isaan-Feste, Nachtmärkte, Live-Bands, Mor Lam: das ist Kultur in Bewegung, nicht im Schaukasten. Ich gehe hin, esse was, bleibe respektvoll, trinke, wenn überhaupt, mit Maß. Wer zu betrunken wird, ist nicht „locker“, sondern einfach nur Last. Wenn du eingeladen wirst, ist das ein Vertrauensbeweis. Ich halte mich an die Stimmung, nicht an meinen Plan. Und ja: Tanzen kann passieren. Niemand erwartet Talent, nur gute Laune. Genau diese Abende sind oft die, an die man sich später erinnert, weil sie nicht gekauft wirken.

Fotografie im Isaan: weniger Wahrzeichen, mehr Geschichten

Isaan fotografiert sich anders. Keine Skyline, kaum Ikonen, dafür Menschen, Details, Licht und Alltag. Ich suche Motive wie: Hände beim Kochen, Mopeds im Abendlicht, Marktstände, Reisfelder, Tempel im Dunst, Hunde im Schatten, Neon am Nachtmarkt. Wichtig: Menschen nicht als Kulisse behandeln. Ich frage oder zeige die Kamera, lächle, respektiere ein Nein. Und ich nehme mir Zeit. Isaan belohnt Geduld. Wer hier „schnell Content“ jagt, kriegt beliebige Bilder. Wer wirklich hinschaut, bekommt Geschichten, die hängen bleiben.


Am Ende ist der Nordosten Thailands für mich nicht nur ein Reiseziel, sondern ein leiser Reminder, dass echtes Leben meistens dort beginnt, wo ich aufhöre, alles kontrollieren zu wollen.

Michael Lieder | Reiseblog24

Meine Empfehlungen (*), hier habe ich gute bis sehr gute Erfahrungen gemacht....