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Schwarzwald

Frühling rund um Horb

Manchmal reicht ein kleiner Dreh am Gasgriff, um den Alltag elegant im Rückspiegel verschwinden zu lassen. Statt Schwarzwald-Postkartenprogramm ging es bewusst auf die leisen Straßen dazwischen. Die Route – von Scenic zusammengestellt – versprach genau das: Kurven, die nicht geschniegelt sind, Asphalt mit Charakter und Wege, die selbst meinen erfahrenen Tiger noch neugierig machen. Und tatsächlich, zwischen Feldern, Wäldern und überraschend einsamen Passagen entsteht dieses seltene Gefühl, unterwegs zu sein, ohne irgendwo ankommen zu müssen – außer vielleicht bei sich selbst… und einem guten Kaffee am Ende.

Reiseblog24 | Frühling rund um Horb

Zwischen Kurvenrausch und Nebenstraßen-Flüstern

Es gibt diese Tage, da erledigt sich jede Diskussion von selbst. Wochenende, Sonne, 25 Grad, und der Frühling gibt sich plötzlich nicht mehr nur Mühe, sondern legt richtig los. Spätestens beim zweiten Kaffee war klar: Zuhause bleiben ist heute keine Option.

Also kurz das iPad gezückt, Scenic angeworfen und mir eine Route zusammenstellen lassen. Natürlich nicht ohne ein bisschen nachzubessern, man kennt ja seine Lieblingskurven… und vor allem die, die man gefühlt schon hundertmal gefahren ist. Also bewusst raus aus der Komfortzone und rein in die kleinen Straßen, die man sonst gerne übersieht.

Grob ging es rund um Horb, am Rand des Schwarzwaldes entlang. Und genau da zeigt der Frühling, was er kann: leuchtende Rapsfelder, blühende Obstbäume und dieses satte, fast schon unverschämt frische Grün der Wälder, das es wirklich nur jetzt gibt. So eine Mischung, bei der man sich kurz fragt, warum man eigentlich noch irgendwo hinfliegen sollte, wenn es direkt vor der Haustür so aussieht.

Trans Alps Adventure
Hier beginnt die Tour - Tübingen

Tourverlauf und Zwischenstopps

Meine Empfehlungen (*), hier habe ich gute bis sehr gute Erfahrungen gemacht....


Und ehrlich, genau dafür sitzt man auf dem Motorrad. Nicht für die perfekte Route, nicht für den schnellsten Weg. Sondern für diesen einen Moment, in dem man einfach links abbiegt, obwohl alles in einem sagt: „Du warst hier schon hundertmal.“

Michael Lieder | Reiseblog24
Dinge, die man nicht verpassen sollte

Höhepunkte der Strecke

Zwischen Bekanntem und der leisen Hoffnung auf mehr

Der Startpunkt meiner Route lag – wie so oft – in Tübingen. Dort stand meine Triumph bereit, ein bisschen beleidigt vielleicht, weil sie nach Wochen in Asien plötzlich wieder deutschen Asphalt sehen sollte. Verständlich. Wer einmal tropische Kurven geschnuppert hat, findet schwäbische Tempolimits ungefähr so aufregend wie entkoffeinierten Kaffee.

Trotzdem: Motor an, dieses vertraute Grollen, und sofort war da dieses Gefühl, das sich nicht wirklich erklären lässt. Asphalt unter den Rädern, klarer Himmel, Temperaturen irgendwo zwischen „perfekt“ und „bleib bitte genau so“. Es sind diese Tage, an denen man sich fragt, warum man überhaupt jemals drinnen war.

Die ersten Kilometer führten mich – wie ein kleiner Realitätscheck – über Ergenzingen und Eckenweiler. Strecken, bei denen man mehr mit dem Gasgriff flirtet, als ihn wirklich benutzt. Tempolimits, Blitzer, landwirtschaftlicher Verkehr in epischer Gemütlichkeit. Man fährt da durch und merkt: Geduld ist keine Tugend, sondern eine erzwungene Disziplin.

Und dann kommt dieser Moment. Die Straße öffnet sich, der Verkehr wird dünner, und vor einem liegt sie – diese Strecke, die man kennt. Zu gut kennt. Jede Kurve, jeder Belagwechsel, jede Stelle, an der man schon einmal gedacht hat: „Hier wäre jetzt eigentlich der perfekte Abzweig.“

Genau da beginnt es interessant zu werden. Nicht, weil die Straße neu ist. Sondern weil die Hoffnung einsetzt, dass sie es gleich sein könnte. Dieser kleine, fast kindliche Gedanke, dass hinter der nächsten Kurve etwas wartet, das man noch nicht kennt.

Tour and Stopovers

Zwischen Rapsfeldern und Kurvenrausch – irgendwo hinter Horb

Ein paar Kilometer vor Horb am Neckar wird es plötzlich ernst. Links ab, raus aus dem, was man noch halbwegs als „normale Straße“ bezeichnen könnte, rein in das, wofür Motorräder eigentlich gebaut wurden. Über Mühlen am Neckar, Nordstetten und weiter Richtung Empfingen werden die Straßen schmaler, kurviger und vor allem ehrlicher. Kein Platz für Eile, kein Raum für Unsinn. Nur Asphalt, der sich durch die Landschaft windet, als hätte ihn jemand mit guter Laune gezeichnet.

Mit offenem Visier fährt man hier nicht einfach – man atmet. Dieser Mix aus frischer Erde, blühenden Bäumen und einem Hauch von „endlich wieder draußen“ trifft ziemlich genau das, was einem nach einem langen Winter gefehlt hat. Und während man noch versucht, diesen Moment einzuordnen, zieht die Landschaft einfach weiter.

Hinter Sulz am Neckar wird es noch ruhiger. Kleine Kreisstraßen, kaum Verkehr, dafür Kurven, die nicht im Reiseführer stehen, aber definitiv reingehören würden. Der Triumph Tiger schnurrt zufrieden vor sich hin, als wüsste er genau, dass er heute keinen Leistungsnachweis erbringen muss. Einfach laufen lassen. Und ja, der Fahrer fühlt sich auch ganz brauchbar dabei.

Sattes Blau, ein paar dekorative Wolken

Der Himmel liefert dazu ein ziemlich übermotiviertes Schauspiel: sattes Blau, ein paar dekorative Wolken, die sich aufführen, als wären sie extra bestellt worden. Unten drunter dieses fast schon unverschämte Frühlingsgrün, unterbrochen von leuchtenden Rapsfeldern, die so intensiv gelb sind, dass man kurz überlegt, ob jemand am Farbregler gedreht hat. Dazwischen Wälder, dicht und kühl, wie ein kurzer Reset für die Sinne.

Es sind genau diese Strecken, die man nicht plant, sondern eher zufällig findet – oder sich zumindest einredet, sie entdeckt zu haben. Und am Ende bleibt dieses leise Gefühl, dass man eigentlich viel zu selten genau sowas macht. Stattdessen sitzt man irgendwo und schaut auf Bildschirme. Ziemlich schlechter Tausch, wenn man ehrlich ist.

Weitergeht die Tour über Böhringen, Mariahachheim und Gößlingen alles Orte die man irgendwo mal gehört hat, aber noch nie auf einer Landkarte gesucht hat. Um so schöner sind die Straßen hier, schmal und einladend so als ob sie auf mich gewartet haben.

154 Kilometer standen am Ende auf dem Tacho. Klingt überschaubar, fühlt sich aber nach deutlich mehr an, wenn man sich treiben lässt, statt einfach nur Strecke zu machen. Gute drei Stunden unterwegs, mit allem, was dazugehört: Kurven, kleine Umwege und diese kleinen Momente, die man nicht planen kann.

Michael Lieder | Reiseblog24

Zwischen Fachwerk, Feldern und Freiheitsdrang

Haigerloch tauchte vor mir auf wie aus einem Bilderbuch gefallen – Fachwerk, Felsen, ein bisschen Drama in der Landschaft, als hätte sich jemand Mühe gegeben, damit Motorradfahrer kurz langsamer werden. Hat funktioniert. Natürlich. Ich halte an, ziehe die Kamera raus und tue so, als wäre das alles ganz geplant gewesen. Von dort ging es weiter Richtung Hirlingen und Rottenburg am Neckar. Die Straßen wurden schmaler, kurviger, genau diese Sorte Asphalt, bei der man merkt, warum man sich so ein Motorrad überhaupt antut. Kein Verkehr, kein Stress, nur dieses leise Brummen unter mir und die Erkenntnis, dass gerade nichts wichtiger ist als der nächste Meter Straße.

Links und rechts zog der Schwarzwald seine Kulisse auf, nicht aufdringlich, eher so beiläufig beeindruckend. Dazwischen immer wieder Holzstapel, Sägewerke, dieser eigenartige Mix aus Tradition und „wir haben jetzt auch Maschinen, die alles schneller machen“. Man bekommt eine Ahnung davon, dass hier nicht nur Landschaft schön aussieht, sondern auch gearbeitet wird. Und zwar ordentlich.

natürlich blieb es nicht bei einem Fotostopp. Wer sowas behauptet, fährt entweder blind oder lügt. Ich hielt öfter an, als ich zugeben würde, einfach weil das Licht, die Farben und dieses satte Frühlingsgrün schwer zu ignorieren sind. Mein innerer Fotograf hatte jedenfalls mehr Spaß als mein Zeitplan.

Kurz vor Tübingen dann noch der obligatorische Tankstopp. Der Tiger bekommt Futter, ich einen kurzen Moment Realität zwischen all der Idylle. Über Oberndorf und Poltringen ging es schließlich zurück Richtung Zuhause, entspannt, fast schon ein bisschen widerwillig.

Das Mittagessen danach? Verdient. Und zwar so richtig.

Nützliche Informationen

Tipps & Ressourcen

Fazit – Kurzstrecke, großer Kopf frei

Manchmal sind es nicht die epischen 500-Kilometer-Routen, sondern diese unscheinbaren 150, die mehr hängen bleiben. Genau so eine Tour war das heute. Keine spektakulären Pässe, keine „Das musst du gesehen haben“-Highlights – und gerade deshalb so gut. Die Strecke rund um Horb, Haigerloch, Hirlingen und Rottenburg lebt von ihrem Rhythmus. Eng, ruhig, ehrlich. Straßen, die nicht beeindrucken wollen, es aber trotzdem tun. Dazu dieses satte Grün, das im Frühling fast schon übertreibt, und eine Landschaft, die sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern einfach da ist. Stabil, verlässlich, irgendwie beruhigend.

Was bleibt, ist weniger das einzelne Ziel, sondern das Gefühl dazwischen: dieses leichte Abschalten im Kopf, das nur passiert, wenn man ohne Zeitdruck unterwegs ist. Ein paar Fotostopps mehr als geplant, ein paar Kurven bewusster gefahren als nötig – und plötzlich ist man wieder bei sich selbst angekommen.

Und genau dafür steht diese Tour. Kein großes Drama, kein Adrenalinüberschuss. Einfach fahren, schauen, anhalten, weiterfahren. Man könnte fast meinen, das reicht schon.

  • Tut es auch... glaub mir!

Gemeinsam fahren

Wenn Du mal in der Gegend bist und Lust auf eine gemeinsame Tour hast dann melde Dich gerne, wenn das Wetter stimmt, können wir uns treffen und gemeinsam eine gemütliche Alb oder Schwarzwald Erkundung starten.  

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ScenicApp: Frühling rund um Horb

Hier geht es zur Tourbeschreibung und Du kannst Dir die Tour auch zum nach fahren als GPX Navigationsdatei herunterladen.

Wenn Du mal in der Gegend bist und Lust auf eine gemeinsame Tour hast dann melde Dich gerne, wenn das Wetter stimmt, können wir uns treffen und gemeinsam eine gemütliche Alb oder Schwarzwald Erkundung starten.  

Useful Information
  • Länge 154 km
  • Höhe: Start 320m (max: 675 m)
  • Zeit: ca. 3:05 Stunden
  • Tempo: moderat
  • Pausen: jede Menge möglich
  • Kurven: Viele
  • Einfach zu fahren

Meine Empfehlungen (*), hier habe ich gute bis sehr gute Erfahrungen gemacht....